Erwachsen werden, Tag 6 bis 20

Tja, drei Wochen sind rum und was soll ich groß sagen – bis jetzt bin ich rauchfrei. Was heißt “bis jetzt”? Das soll natürlich nicht bedeuten, dass ich wieder anfangen werde. :-)

Der körperliche Entzug dauerte nur einige Tage, nicht zuletzt auch wegen der Tabletten verlief der Entzug relativ problemlos. Ein paar Tage hatte ich Probleme mit dem Magen-Darm-Trakt. Ich denke, der Stoffwechsel hat sich umgestellt. Auch etwas Symptomschmerz (Symptom deshalb, da von der Ärztin gecheckt) im Brust-/Lungenbereich hatte ich, zum Glück nicht lange. Von das Schönste ist: die ersten körperlichen Beschwerden, die ich vor dem Entzug noch hatte, sind verschwunden. So gibt es jetzt keine Taubheitsgefühle in den Armen und Beinen mehr, wahrscheinlich weil das Blut jetzt mehr Sauerstoff transportiert. Und vor allem ist diese Kurzatmigkeit, die bei jeder kleinen Anstrengung (wie zum Beispiel Treppen steigen) auftrat, verschwunden.

Mein Gewicht ist bis jetzt ebenfalls konstant geblieben. Das war ja bei den letzten beiden längeren Rauchpausen nicht der Fall. Da hatte ich jedesmal knapp 10 Kilo zugenommen. Diesmal stopfe ich aber auch nicht pausenlos die falschen Sachen (Schokolade, Bier, Chips, Fleisch etc) in mich rein. Tagsüber auf Arbeit gibt es viel Tee und Wasser (manchmal mit etwas Sirup um einen anderen Geschmack zu bekommen), 2 Äpfel aus dem eigenen Garten oder vergleichbares Obst und für zwischendurch Erdnüsse (ohne Salz, die welche man aus der Schale pellen muss). Der Geschmack ist wirklich wichtig. Zum einen hat man das Bedürfnis unbedingt etwas im Mund haben zu müssen, da hilft aber ganz gut ein Stück Obst, ne Erdnuss oder einfach ein Glas Wasser. Zum anderen hat man aber auch ein dringendes Bedürfnis einen intensiven Geschmack schmecken zu müssen, also was salziges, was süsses und so weiter. Da muss man irgendwie versuchen einen Mittelweg zwischen Essen und Gesundheit zu finden.

Mental sieht es allerdings nach harter Arbeit aus. Die ersten Tage war ich noch gut euphorisiert, dann mit dem körperlichen Entzug beschäftigt, seit gut einer Woche meldet sich aber das kleine Teufelchen und verlangt nach einer Zigarette. Hauptsächlich in bestimmten, während der Raucherkarriere stark ritualisierten Situationen. Also Feierabendbierchen, frühmorgens nach dem Aufstehen, in der Pause mit den Kollegen und so weiter. Da hilft leider nur zum einen den Situationen so weit möglich aus dem Weg zu gehen (ich trinke zum Beispiel kein Feierabendbier mehr, mache keine “Draußen”-Pause mehr etc), da man das aber nicht immer und nicht ewig kann, heißt es irgendwann sich den Situationen zu stellen. Dann braucht man einen starken Willen (sich die negativen Folgen des Rauchens vor Augen führen etc) und man muss die Rituale, die man über Jahre antrainiert hat, wieder abtrainieren.

Erwachsen werden, Tag 3 bis Tag 5

Der Montag verlief ohne Zwischenfälle, auch am Dienstag keine geraucht und nichts getrunken. Heute bin ich allerdings wieder leichtsinnig geworden und hab mir zum Feierabend drei Gläser Wein gegönnt. Anschließend hatte ich einen Wahnsinnsappetit auf eine Zigarette und mir gings körperlich (Bauchschmerzen, kalter Schweiß, hoher Blutdruck) ziemlich schlecht. Schließlich musste ich mich mehrmals übergeben, danach gings mir besser.

Erwachsen werden, Tag 1, Dritter Versuch

Nach der gestrigen Eskapade heute keine einzige Zigarette geraucht und nur beim Handball ein Bier getrunken. Ein guter Start. Ehrlich gesagt ist es mir auch etwas schwer gefallen, nicht körperlich, da machen die Tabletten ganze gute Arbeit, sondern eher psychisch. Es sind die bestimmten, ritualisierten Situationen in denen ich früher (sic!) geraucht hätte, nun aber gegen diesen Drang ankämpfen muss. Zum Glück dauern diese Stressmomente nur wenige Minuten.

Erwachsen werden, Tag 1, Zweiter Versuch

Hat das Gespräch mit meiner Ärztin gestern nichts gebracht? Oder hat sie Recht damit, als sie meinte, es würde bei mir mit der Psyche zusammenhängen und deshalb eine Psychotherapie angeraten wäre? Sie hat mir sogar einen Überweisungsschein (Depression, neurotische Störung und Somatisierung) mitgegeben und mir dringend angeraten diese weiterführende Beratung in Anspruch zu nehmen. Hab mich aber bis jetzt noch nicht getraut.

Auch musste am ersten Tag als ich bei ihr war einen Lungenfunktionstest, EKG und Bluttest machen. Erstere waren in Ordnung, der Bluttest fiel allerdings katastrophal aus. Zu viel Leukozyten (vom Rauchen), ein etwas zu hoher Cholesterinwert (falsche Ernährung) und der zweite Blutfettwert dessen Name ich wieder vergessen habe war extrem hoch (regelmäßiger Alkoholkonsum über längerem Zeitraum). Und was miche ich? Nachdem ich den ganzen Tag wunderbar ohne Zigaretten ausgekommen bin?

Auf dem Treffen der Mitarbeiter meiner Abteilung rauche ich zehn Zigaretten (geschnorrt, nicht mal selbst gekauft) und trinke zwei Bier und drei Sambuca. Mir gings anschließend auf dem Heimweg nicht nur körperlich schlecht.

Erwachsen werden, Tag 1

Da ist man Vierzig geworden, hat alles erreicht, was so erstrebenswert ist (Familie, Kinder, Haus, Job, ohne Geldsorgen etc) und trotzdem ist man nicht zufrieden. “Warum werde ich nicht satt?” sangen schon vor zwanzig Jahren die Toten Hosen. So gehts mir allerdings nicht erst jetzt, sondern schon seit einigen Jahren. Manche würden sagen, typische Midlife-Crisis. Neu ist allerdings, das ich das nun auch körperlich spüre. Nach langer Selbstbeobachtung und auch Selbstkritik war schnell klar – das Rauchen ist mitverantwortlich.

Also hieß es mal wieder aufhören. Ich hatte das ja schon zwei Mal in den letzten zehn Jahren über einen längeren Zeitraum geschafft, mit dem Ergebnis das ich jeweils zehn Kilo zugenommen hatte und mal eben von 70 auf 90 Kilo aufgerüstet hatte. Auch die letzten Monate hatte ich mit Hilfe von Nikotinkaugummi oder Pflaster versucht das Rauchen aufzugeben, das hielt maximal drei Tage am Stück an. Halbherzig braucht man an diese Sache nicht hergehen, man muss es wirklich wollen.

Letzte Woche Montag war ich nun bei meiner ehemaligen Hausärztin in Potsdam zur Nikotinentwöhnungs-Beratung, eine Stunde psychologische Beratung (Kosten: 150 Euro). Sie empfahl mir Tabletten zur Unterstützung, meinte aber auch, die Tabletten allein würden es nicht bringen, der Wille zum Aufhören muss schon da sein.

Die ersten sieben Tage der Einnahme der Tabletten (übrigens nochmal 100 Euro für 4 Wochen) darf und sollte man auch noch weiterrauchen, sich aber einen Ausstiegstermin festlegen. Der war heute. Oder ist heute. Oder sollte er sein. Jedenfalls habe ich heute Morgen die letzte Zigarette der letzten Schachtel geraucht. Schluß! Dann eine Stunde Fahrt zur Arbeit und dann neun Stunden gearbeitet und bin ganz gut ohne Zigaretten ausgekommen. Zum Feierabend mit den Kollegen, wie gewohnt, eine geraucht. Und anschließend mich gescholten, was ich doch für ein Esel bin! Bei der erstbesten Gelegenheit wieder eingeknickt.

Übrigens meinte meine Ärztin bei der Beratung auch noch ich sollte das “Feierabendbier” (mittlerweile sind es ja zwei bei mir) weglassen, Alkohol und Zigaretten sind bei mir miteinander verbunden. Zum Bierchen ein Zigarettchen und so. Habe meinen Bierkonsum reduziert seit letzter Woche, aber eben auch nicht eingestellt. Das sagte ich der Ärztin auch heute beim Folgetermin (kostenlos) und sie fragte mich nur, warum ich beides nicht vollständig eingestellt hätte. So wäre das Scheitern bereits vorprogrammiert. Außerdem sollte ich mich nicht so kindisch benehmen und endlich erwachsen werden!

2013 wird geprüft

Die WordPress.com-Statistik-Elfen fertigten einen Jahresbericht dieses Blogs für das Jahr 2013 an.

Hier ist ein Auszug:

Die Konzerthalle im Sydney Opernhaus fasst 2.700 Personen. Dieses Blog wurde in 2013 etwa 28.000 mal besucht. Wenn es ein Konzert im Sydney Opernhaus wäre, würde es etwa 10 ausverkaufte Aufführungen benötigen um so viele Besucher zu haben, wie dieses Blog.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.