Berühmt-berüchtigt geworden sind Real Life mit “Send me an Angel”, aber wesentlich besser finde ich den folgenden Song aus dem Album “Heartland”. Und eigentlich ist es für mich auch eine geheime Hymne meiner Jugend, und deshalb höre ich diesen Song imme rnoch sehr gern. Für Roland.
Archiv für den Monat Juli 2010
Vater und Sohn (KW 45)
Seit Tagen hatte Ranzwi seinen Vater nicht wirklich zu Gesicht bekommen, oder anders gesagt, sein Vater hatte ihn wegen dieser Geschichte mit Hagazusa ignoriert und kein Wort mit ihm gesprochen. Am heutigen Morgen des großen Tages, als sich Ranzwi im Stall um die wenigen Pferde kümmerte, die bei diesem Wetter nicht Tag und Nacht auf der Weide waren, kam sein Vater hinzu und sprach mit ihm.
“Wie du sicherlich schon erfahren hast, wird deine Mannbarkeitsprobe nicht wie sonst üblich ablaufen, sondern diesmal ist es ein ernsthaftes Unternehmen. Nicht das es sonst nicht so ernst sein würde, aber diesmal geht es um unsere Existenz.” Er schwieg einen Moment, um abzuwägen, ob er seinem Sohn die Hintergründe für den Feldzug erklären sollte. Vielleicht was es für ihn sicherer, wenn er alles wusste.
“Die Langbärtigen haben die Grenze zu unserem Gebiet überschritten. Nicht um zu plündern oder einige unsere jungen Frauen zu entführen. Diesmal kommen sie mit ihren Familien und wollen sich hier für immer nieder lassen, da sie aus ihrem Stammesgebiet vertrieben wurden. Selbst wenn wir es wollten, du weißt, dass dieser Boden hier nicht ergiebig genug ist, um so viele Menschen zu ernähren. Außerdem beten sie andere Götter als wir an und Sahsnot würde es nicht gefallen, wenn wir das Gebiet, welches er uns zugewiesen hat, einfach so einem Stamm geben würden, welcher ihn nicht anbetet. Du verstehst?”
“Ja, Vater.” Ranzwi striegelte weiter den Rücken von Brega und wagte es nicht seinem Vater ins Gesicht zu sehen. Schon die letzte Tage hatte er dort immer eine Spur von Verzweiflung und Resignation erkennen können. Sein Vater glaubte einfach nicht, dass Ranzwi lebend von diesem Feldzug wieder kehren würde. Aber musste er deshalb so herum schwafeln? Sie beide wussten doch woran sie in dieser Beziehung waren. Das einzige was sie verband war ihr gemeinsames Blut, mehr nicht. Wäre Ranzwi ein Sohn einer der Knechte, hätte Ramgar ihn schon längst vom Hof gejagt.
“Trotzdem brauchst du keine Angst zu haben …”
“Ich habe keine Angst”, stieß Ranzwi hervor, obwohl er sich fest vor genommen hatte, keine Diskussion mit seinem Vater zu beginnen. Doch Ramgar ignorierte diesmal seinen Einwurf.
“Tiwrich, Tennatt und du, ihr werdet als Kundschafter ausgesandt und sollt nur heraus bekommen, wo die Langbärtigen ihr Lager aufgeschlagen haben. Ich möchte nicht, dass ihr versucht eigenmächtig zu handeln. Schaut euch um und dann kommt wieder so schnell wie möglich zurück, wenn ihr das Lager entdeckt habt. Das wollte ich dir eigentlich nur sagen.”
Als Ranzwi nicht antwortete, drehte sich Ramgar um und schritt hinaus, nicht jedoch ohne sich noch einmal kurz umzudrehen.
“Mach deiner Mutter keinen Kummer.”
Mach deiner Mutter keinen Kummer! Und was war mit ihm? Hätte er keinen Kummer, wenn seinem Jüngsten etwas passieren würde? Oder hatte er sich in Gedanken bereits damit abgefunden, dass Ranzwi nur noch wenige Tage sein Sohn sein würde?
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Song der Woche: The Raveonettes – Breaking into Cars (2009)
Aufbruch (KW 44)
Kapitel 5 – Wolf und Krähe
Sie ritten schweigend und ohne jegliche Eile. Wozu die Pferde und sich selbst jetzt schon ermüden, wenn sie all ihre Kräfte spätestens morgen für den Kampf brauchen würden. Vorgestern hatte es eine Beratung zwischen den Adligen dieser Gegend im Haus von Tiwrichs Vater gegeben, die Tiwrich belauscht hatte, und von dessen Verlauf er Ranzwi erzählt hatte. Das Stammesgesetz schreibt normalerweise einen Thing, eine Beratung aller sächsischen Fürsten am Heiligen Ort vor, doch diesmal schien alles dringlicher und es hätte Tage benötigt alle Adligen zum Thing herbei zu rufen. Ohnehin hätte es das selbe Ergebnis gebracht, denn Alfrieds Einfluss auf die anderen Fürsten war in den letzten Tagen gewachsen und bei der Abstimmung mit den Runen, wer der Führer für diesen Kriegszug sein sollte, war es in den letzten Jahren immer Alfrieds Name gewesen, der gezogen wurde. So wäre es auch diesmal wieder gewesen, nur das Alfried und seine treuesten Fürsten, wie Tiwrichs und Ranzwis Väter, die ganze Sache abgekürzt hatten. So führte also Alfried den, für sächsische Verhältnisse, kleinen Zug von zwanzig Reitern (vornehmlich die Adligen und ihre Söhne) und etwa zweihundert Kriegern (die zu Fuß hinterher stampften) an. Ranzwi ritt auf Brega zwischen Tiwrich, der stolz grinste, und Tennatt, dem kleinen blonden Burschen, dem scheinbar alles egal war, denn man konnte weder Euphorie noch Angst in seinem Gesicht sehen, hinter ihren Vätern.
Urlaub
Endlich Urlaub. Deshalb werde ich mich die nächsten zwei Wochen wohl hier etwas rar machen.
Artorius (KW 43)
So schlicht, wie die Burg, oder besser gesagt das Kastell, denn nichts anderes war es eigentlich, von außen errichtet worden war, vernebelte im Innern keine sinnlose Verzierung die Sinne. Alles war aus Holz, die Räume großzügig gestaltet und die Pechfackeln, die an den Wänden in eisernen Halterungen steckten und den ganzen Tag über brannten, hatten das Eichenholz längst schwarz gefärbt und verbreiteten nur ein trübes, deprimierendes Licht. In einem der kleineren Räume, dessen einziges glasloses Fenster den Blick auf den verschlammten Innenhof freigab, stand ein riesiger Eichentisch, der fast den ganzen Raum ausfüllte, und auf dem jetzt zahllose Karten und Skizzen ausgebreitet waren. Um den Tisch standen Männer, deren schmutziges, ungepflegtes, ja fast schon wildes Aussehen, auf Krieger deutete, die seit Wochen nur mit ihrem Handwerk beschäftigt waren und keine Zeit für Körperpflege verschwendeten. Auf den ersten Blick konnte man sie sogar für eine Gruppe von sächsischen Häuptlingen halten, hatten sie doch alle lange, verfilzte Haare und Bärte, in denen der Staub der Straße noch haftete. Und doch waren sie die Elite von britischen Heerführern, die Artorius in den letzten Jahren um sich gescharrt hatte und die seit Monaten, fast ununterbrochen, in kleinen Scharmützeln mit Scoten, Iren oder den Sachsen um Hengist, der sich gegen Vortigern aufgelehnt und ihn ermordet hatte und sich nun anstelle von Vortigern König von Britannien nannte, verwickelt waren. Ihren Gesichtern war die Müdigkeit und die Sehnsucht nach Frieden und Ruhe anzusehen, aber auch die wilde Entschlossenheit ihr Land gegen alle Feinde bis zum Letzten zu verteidigen.
So eben breitete Artorius, der Jüngste unter den Männern, weitere Karten auf dem Tisch aus.
“Ich fasse noch mal zusammen. Hengist hat einen Unterhändler nach Leinster geschickt, um die Eiren zu bewegen, in Gwynned einzufallen. Wenn wir dann mit unserer Streitmacht dort zur Verteidigung eingetroffen sind, wird Cerdic mit seinen Sachsen das entblößte Dyfed überfallen und somit in wenigen Tagen auch Caerleon dem Erdboden gleich machen. Das wäre das Ende Britanniens.”
BBI: Hat das Ministerium getrickst?
[...] Der Erörterungstermin zur Nachtflugregelung für den Flughafen BBI gestern vor dem Bundesverwaltungsgericht Leipzig endete offenbar mit einer Ohrfeige für die Planfeststellungsbehörde im Infrastrukturministerium des Landes Brandenburg.
Wie Ortwin Baier, Bürgermeister der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow, der MAZ sagte, forderte das Bundesverwaltungsgericht die Behörde auf, eine nachvollziehbare Bedarfsprognose für den Nachtflug vorzulegen. Die Berechnungsgrundlagen müssten detailliert und transparent dargestellt werden. „Das ist für uns ein Erfolg auf der ganzen Linie“, freut sich Baier.
Das Gericht hatte den Erörterungstermin in Vorbereitung auf die mündliche Verhandlung der Klage gegen den Planergänzungsbeschluss „Lärmschutzkonzept BBI“ anberaumt. Die Gemeinden Blankenfelde-Mahlow, Schulzendorf, Eichwalde und Großbeeren klagen gegen den Planergänzungsbeschluss. Er lässt in Spitzenzeiten bis zu 103 Flugbewegungen in den Nachtstunden zu. Derzeit gibt es 47 Nachtflüge im Raum Berlin, davon 27 in Schönefeld. Woher der dreifach höhere Bedarf kommen soll, hat das Infrastrukturministerium des Landes Brandenburg in seinem Behördengutachten bisher nicht nachgewiesen. Im Gegenteil, nach Ansicht der Anwälte sind die Akten unvollständig und inhaltlich undurchsichtig. Stellungnahmen der Fluggesellschaften enthielten außerdem geschwärzte Stellen, was mit Geheimhaltungsbedürftigkeit begründet wurde.
Bürgermeister Ortwin Baier: „Wir glauben, dass im Behördengutachten getrickst wurde und dass es gar keine Rechtfertigung für so viele Nachtflüge gibt. Ich bin sehr gespannt, was das Ministerium dem Gericht und uns nun vorlegen wird. Jetzt muss die Behörde sozusagen die Hosen runterlassen.“ (Von Gudrun Schneck) [MAZ Online]
Unwetter mit Sturmböen für Brandenburg erwartet
[...] Heute Nachmittag könnte es in Berlin und Brandenburg Unwetter mit starken Sturmböen geben. Grund dafür ist ein von Norwegen zu den Britischen Inseln reichendes Tiefdruckgebiet, das im Tagesverlauf auf den Nordosten Deutschlands übergreift, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Potsdam erwartet. Im Westen und Südwesten Brandenburgs komme es zuerst zu teils kräftigen Gewittern. Auch Hagel sei möglich.
In der Nacht zum Freitag gibt es laut DWD weitere Gewitter. Die Tageshöchsttemperaturen in der Region fallen von Donnerstag auf Freitag von 35 Grad auf nur noch 25 Grad. [dpa - MAZ Online]
Update: Ufos oder Bombe oder doch nur ein Flugzeug?
[...] Ein heftiger Knall hat am frühen Dienstagabend bei vielen Menschen Befürchtungen ausgelöst. Ein tödlicher Bombenfund? Eine Explosion im Munitionslager? Dutzende Potsdamer riefen bei der Polizei und der Feuerwehr an, bei der MAZ standen bis gestern die Telefone nicht still, etwa 50 Leser meldeten sich. Verbindliche Auskünfte konnte aber bis zum Nachmittag niemand geben. Erst dann endete die telefonische Recherche-Stafette bei Major Kai Gudenoge von der Bundesluftwaffe. Er vermeldete einen „regulären Übungsflug zweier Eurofighter“.
Laut Gudenoge war der Flug der beiden Kampfjets extra bei den Luftfahrtbehörden angemeldet worden, „damit da oben niemand anderes herumfliegt, der uns gefährdet oder den wir gefährden könnten.“ Am Himmel über dem nördlichen Brandenburg habe sich sich eine „routinemäßige Abfangübung“ abgespielt, die bei Neuruppin begann und in Richtung Potsdam nach Süden führte. Im Startgebiet gab es 17.47 und 18.02 Uhr erste Durchbrüche der Schallmauer, die zu den charakteristischen Knalls führten. Die Flughöhen lagen zwischen 12,8 und 13,1 Kilometern. Laut Gudenoge breitet sich der Überschall-Knall kegelförmig aus und trägt 40 Kilometer. Wie weit der nächste Durchbruch von Potsdam entfernt passierte, blieb unklar. Es gab bei der Übung mehrere Normal- und Überschallflugphasen, so Gudenoge.
Der Major ist seit sieben Monaten Pressesprecher der Luftwaffe und kann sich deutschlandweit nur an etwa 15 solcher Trainingsflüge erinnern. Die Häufigkeit, dass sowas in Potsdam passiere, sei extrem gering. Gleichzeitig verteidigte Gudenoge den Einsatz: „Wir müssen die Lufthoheit halten und dafür auch den Ernstfall trainieren.“
Am „Tattag“ selbst waren Polizei und Feuerwehr überrascht; sie hatte niemand informiert. Einzige Auskunft: Nirgendwo war ein Unglück gemeldet worden. Unter der Hand mutmaßten Polizei- und Feuerwehrsprecher dann gestern Vormittag, es könnte sich um eine Bundeswehrübung gehandelt haben. Auch das Innenministeriumverwies auf die Truppe. (Von Rainer Schüler) [MAZ Online]
Caerleon (KW 42)
Caerleon als Stadt in seinem ursprünglichen Sinne zu bezeichnen, wäre etwas vermessen gewesen, auch wenn das ehemalige Heereslager bei seiner Gründung durch die Römer schnell zu einer Stadt in diesem Sinne angewachsen war. Mit Handwerkern, Händlern, Schänken und Bordellen für die einfachen Soldaten und Villen für die höheren Offiziere. In seiner Blütezeit war Caerleon die eigentliche Hauptstadt der römischen Provinz Britanniens gewesen, auch wenn diese Bezeichnung schon immer das trübe, verregnete und schmutzige Londinium für sich beanspruchte. Doch, wie fast alle anderen Städte der Inselprovinz, war auch Caerleon nach dem Abzug der letzten römischen Truppen schnell verödet und der ehemalige Glanz war verblaßt und die Villen schnell geplündert und verfallen. Als Uther Pendragon, rechtmäßiger Nachfolger von Ambrosius Aurelianus und damit der britischen Königskrone, sich gegen den Emporkömmling Vortigern verteidigen musste und dieser schließlich in einem legendären Handstreich Londinium besetzte, flüchtete Uther nach Caer Legion und baute die Stadt mit einfachen Mitteln wieder auf. Dabei legte er keinen Wert auf prunkvolle Villen und Vergnügungsetablissements, sondern ließ als erstes eine Burg auf dem einzigen Hügel der Stadt aus schwerem, importierten Eichenholz, sowie einen fünf Meter hohen Schutzwall rund um die Stadt errichten. Klugerweise unterließ es Vortigern diese stark befestigte Stadt anzugreifen, denn auch wenn er einigermaßen reich und mächtig war, fehlten ihm doch noch die Truppen und vor allem das schwere Belagerungsmaterial, um Caer Legion dirtekt anzugreifen. Er vertraute darauf, daß Uther eines Tages aus seinem geschützten Bau hervor kommen und den offenen Kampf mit ihm suchen würde. Was auch geschah. Doch wenn Vortigern gehofft hatte, mit dem Tode Uthers würde die Königskrone von ganz Britannien auf ihn über gehen, dann hatte er sich getäuscht, denn es gab immer noch einige wenige mutige Regionalkönige, die sich gegen ihn stellten. Und nicht zuletzt der einzige Sohn von Uther, Artorius, der allein durch seine Ausstrahlung und seine Rhetorik das Volk hinter sich bringen konnte. Er war noch mächtiger und gefährlicher als sein Vater.