Der Zahn wird Einem gezogen

Zwischen Weihnachten und Silvester klagte ich erneut über starke Zahnschmerzen bis hinunter zu den Lymphknoten verbunden mit Problemen beim Kauen. Da half nur ein Gang zur Bereitschaftsärztin, welche sofort eine Wurzelentzündung diagnostizierte und auch gleich eine Vorschlag parat hatte, da der problembehaftete Zahn von einer Krone … gekrönt … war. Sie würde nur ein kleines Loch durch die Krone bohren, so dass sich die Entzündung über diesen Ausgang … äh … entleeren könnte. Anschließend könnte man problemlos das kleine Löchlein wieder zu machen. So weit die Theorie.

Natürlich kam es anders, denn beim Bohren rutschte sie plötzlich ab, es knirschte und knapp zwei Drittel der Krone befanden sich nun gelockert in meiner Mundhöhle. Der Zahn war nun offen und sah aus wie die Insel Santorin aus der Luft (siehe Foto). Die gute Nachricht: die Schmerzen waren innerhaln weniger Stunden verschwunden. Die schlechte: was wird nun aus dem Zahn?

Bedingt durch Urlaub und Krankehit meines Haus-Zahnarztes plus Unfähigkeit der Bereitschaftsärztin das Röntgenbild weiter zu schicken, vergingen drei Wochen (!), in denen ich mich mit einem offenen Zahn plagen musste (immer schon auf der anderen Seite kauen, regelmäßig Mund ausspülen und bitte nur keine Nüsse essen!) kamen meine Zahnarzt und ich nun endlich zu dem Entschluss: Der Zahn muss raus! Alles andere wäre zu teuer bzw mit zu hohen Risiken (bis hin zur Gesichtslähmung) verbunden.

Letzten Donnerstag war es nun so weit und der Zahn wurde mir nach Ruhigstellung durch vier Spritzen endlich gezogen. Seitdem heißt es jeden Tag zum Zahnarzt und Drainage erneuern (der Kieferknochen ist zu sehen – puh!) und morgen gehts nach dem morgendlichen Zahnarztbesuch wieder zur Arbeit nach vier Tagen. Leider haben seit heute Mittag die Schmerzen wieder zugenommen und nach einer Visite ist ein kleiner spitzer Knochen an der Stelle zu sehen wo vorher der Zahn war. Ist das normal? Oder hat der Zahnarzt was übersehen?

Der Mensch ist technisch weit fortgeschritten

… Er kann Raumstationen bauen, sie im Weltall zusammenkoppeln und denkt an die Landung auf dem Mars, aber seine Entwicklung scheint seit der Steinzeit zu stagnieren.“ (Sigmund Jähn 1990 in einem Interview)

Letzten Sonntag war ich im Berliner Kino Union Friedrichshagen bei einer Lesung von Sigmund Jähn. Wer? Werden jetzt einige fragen. So auch auf Arbeit völliges Unwissen auf meine Frage wer der erste Deutsche im All war (Frage ging an einen westdeutschen Kollegen). Seine Antwort: Ulf Merbold. Nun ja, Merbold war zwar der erste Bundesdeutsche, allerdings 1983 – fünf Jahre nach Sigmund Jähn. Das ist vielleicht auch der Grund dafür, warum der ostdeutsche ehemalige Generalmajor Jähn mit 75 Jahren immer noch auf Lesetour ist: im Osten ein Held, im Westen nahezu unbekannt.

Dabei ist Jähn keiner, der sich gern in den Mittelpunkt stellt, wie man bei der Lesung wieder feststellen konnte. Rhethorisch erinnerte mich die PowerPoint-Präsentation eher an einen Vortrag eines Erstsemesters, wenn auch mit lustigeren Anekdoten gespickt. Eigentlich hatte ich mir zu Beginn der Veranstaltung, angesichts der zahlreich erschienenen Alt-Genossen, vorgenommen dem “Held der DDR” skeptisch entgegen zu treten. Allerdings dauerte es keine fünf Minuten, da hatte er meine vollste Sympathie. Die nächsten anderthalb Stunden (auf einem klapprigen Holzstuhl) waren ein Vergnügen, gewürzt mit Fotos (ich entschuldige mich an dieser Stelle für die schlechte Qualität), Fakten über die Raumfahrt und einem Exkurs bis zurück zu Ziolkowski. Ein gelungener Sonntag Mittag. Abgerundet anschließend vom Besuch auf dem Friedhof der Sozialisten und einem Bierchen in einer Eck-Kneipe.

In den dunklen und blutigen Gründen

[...] Es wird wieder einmal richtig spannend in den beiden hier enthaltenen Wildwestgeschichten aus Mays früher Schaffenszeit. “Im fernen Westen” und “Der Fürst der Bleichgesichter” bieten alles, was zu einem richtigen May gehört: mutige Helden des alten Westens und ihre finsteren Gegenspieler, abenteuerliche Verfolgungen und Kämpfe, List und Gegenlist, nicht zu vergessen eine gute Portion Humor – und das alles eingebettet in das großartige Panorama der Prärien und Felsengebirge.

Die Titelgeschichte ist eine weitere Variante der Old-Firehand-Story aus “Winnetou II”, die zweite Erzählung “Der Fürst der Bleichgesichter” aus dem Kolportageroman “Deutsche Herzen, Deutsche Helden” wurde in dieser Form in den Gesammelten Werken bisher so noch nicht veröffentlicht und ist in einer Bearbeitung teilweise in Band 62, “Im Tal des Todes”, zu finden. Kommentare und Nachworte von Christoph F. Lorenz ordnen die Geschichten auf ebenso kenntnisreiche wie unterhaltsame Art und Weise in Mays Gesamtwerk ein. [Beschreibung und Buchbestellung unter Karl May Verlag]

Als ich bei Blog Dein Buch das Angebot sah, ein neues Karl May-Buch kostenlos zu erhalten, war ich als alter Karl-May-Fan sofort begeistert. “Im Fernen Westen” enthält zwei Novellen aus der Frühzeit des Radebeuler Schriftstellers – die Titelgeschichte und “Der Fürst der Bleichgesichter” und führt den Leser in die “dark and bloody grounds”.

Nachdem ich in jungen Jahren die Grünen Bände gern gelesen und auch gesammelt hatte, war ich einige Jahre von May abgekommen und erst vor zwei Jahren wieder auf ihn aufmerksam geworden. Zu oft wiederholten sich die Handlungen in seinen Erzählungen und das lehrhafte, zutiefst religiöse Bekenntnis, verdarben mir oft den Lesespaß. Erst “Ritter und Rebellen” (Band 69, eine historische Erzählung über die brandenburgischen Raubritter) zeigten mir, warum ich früher Karl May so gern gelesen hatte: spannende, fantasievolle Abenteuergeschichten. So sollte man auch “Im Fernen Westen” betrachten. Es zeigt das großartige Talent des jungen Redakteurs (nach seiner Haftstrafe), der sich einen Platz in der sich neu orientierenden deutschen Verlagslandschaft erst noch suchen musste. Entgegen vieler Anderer Autoren seiner Zeit (die größtenteils zu Recht längst vergessen sind) ordnete er sich nie der nationalistischen Strömung oder den wilhelminischen Kriegstreibern unter. Im Gegenteil, mit zunehmendem Alter wurde er mehr und mehr zum Pazifisten und zum Verteidiger unterdrückter Völker, seien es Indianer oder Kurden.

In den beiden Novellen “Im fernen Westen” und “Fürst der Bleichgesichter” merkt man von dieser friedensliebenden, menschenfreundlichen Einstellung allerdings noch nichts. Gerade erstere Geschichte ist für mich die blutigste, die ich bisher von May gelesen habe. Da gibt es einen skalpierenden, noch sehr “wilden” Winnetou, einen zynischen, indianerhassenden Sam Hawkens, und am Ende – nach einem blutigen Gemetzel – sterben sogar drei wichtige Personen (u.a. Old Firehand). Das gabs noch nie. Und gerade das macht auch den Reiz dieser Erzählung aus, bringt Frische wo May später wohl eher schwülstige Dialoge über Religion und Menschenliebe eingebaut hätte.

Auch in “Fürst der Bleichgesichter” erlebt man diese Frische und die Lust, die May beim Schreiben gehabt haben muss. Auch tauchen hier die Personen auf, welche May später zu Weltruhm verhelfen sollten, wenn auch noch in ihrer Rohfassung und unter anderen Namen: Starke Hand (deutlich ist hier bereits der spätere Winnetou zu erkennen), der riesenstarke und scheinbar allwissende Oskar Steinbach (Old Shatterhand) und der witzige Mentor des “Greenhorns” Sam Barth (Sam Hawkens).

Trotz einiger Ungereimtheiten in der Handlung und kurzer scheinbar in großer Hast geschriebener Passagen hatte ich insgesamt betrachtet schon lange nicht mehr so viel Lesespaß. Liebhaber klassischer Abenteuerliteratur kann ich den Band 89 des Karl May-Verlages nur wärmstens empfehlen, und den wenigen die May noch nicht gelesen haben wäre das Buch ein guter Einstieg.

Mein Blog in 2011

Die WordPress.com Statistikelfen fertigten einen Jahresbericht dieses Blogs für das Jahr 2011 an.

Hier ist eine Zusammenfassung:

Etwa 8.500.000 Menschen besuchen jedes Jahr das Louvre Museum in Paris. Dieses Blog wurde in 2011 etwa 110.000 mal besucht. Wenn dieses Blog eine Ausstellung im Louvre wäre, würde es etwa 5 Jahre brauchen um auf die gleiche Anzahl von Besuchern zu kommen.

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