Pater Spee – Anwalt der Hexen

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„Mein liebes Teutschland gebiert Hexen in der Nacht und verbrennt Menschen am Tage.“

Peter Spee tritt gegen die Folter ein und prangert die Freveltaten der Hexenbrenner an. Doch durch seine kompromisslose Haltung bringt er auch seine Glaubensbrüder und die Mächtigen des Jesuitenordens gegen sich auf und kann nur knapp einem Mordanschlag entgehen.

Ein historischer Roman über einen der bedeutendsten Kritiker der Hexenprozesse: „Wer meint, unter der Folter etwas anderes zu hören als den Schrei gepeinigten Fleisches, der kennt weder Menschennatur noch die Gebote des Herrn. Geständnisse unter Feuer, mit Strick oder Wasser erpresst, sind ein großer Lug und ein schrecklicher Trug.“

Claus-Peter Lieckfeld, geboren 1948 und aufgewachsen in der Lüneburger Heide, ist Gründungsmitglied von Horst Sterns Umweltmagazin natur. Als freier Autor war er u.a. für das SZ-Magazin, GEO, Merian, Die Zeit und Die Woche tätig. Außerdem schrieb er Texte für Kabarett-Programme, u.a. für Scheibenwischer und für die Münchner Lach- und Schießgesellschaft. [Klappentext]

Zu allererst muss ich erwähnen, dass ich mich bei der Bestellung bei Blog dein Buch vertan habe, denn ich staunte nicht schlecht als ich ein eBook erhielt. Leider bin ich nämlich überhaupt nicht der Typ für eBooks sondern eher der klassische Typ, der Bücher fühlen und riechen will. Dementsprechend unmotiviert war ich auch das eBook zu lesen. Schließlich konvertierte ich das dann doch, installierte es auf dem K*** und startete das Buch auf dem Weg zur Arbeit.

Ich war überrascht. Der historische Roman (im DotBooks-Verlag erschienen) liest sich sehr flüssig, auch wenn die teilweise recht langen frommen Predigten des Paters stören. Allerdings bin ich auch eher ein religionsfeindlicher Mensch und von daher nicht weiter verwunderlich das ich auf dieses Geschwafel allergisch reagiere. In diesen Roman passt es natürlich. Sehr gut fand ich die Einbettung alter Begriffe (nicht nur lateinische sondern auch deutsche), die vielleicht nicht jedermanns Sache sind, da etwas Wissen der mittelalterlichen deutschen Sprache nicht schelcht wäre. Allerdings nehmend iese Begriffe aber auch nicht überhand, so dass man diese auch überlesen kann. Ein witziges Gimmick sind die Kapitelüberschriften, welche in Form mittelalterlicher Buchtitel abgefasst sind.

Sehr spannend und lesenswert fand ich den Weg und die Abenteuer des Till Rothmann, der aus Peine vor den Progromen durch die Katholiken quer durch Norddeutschland flüchtet, sich den Schweden anschliesst und – wieder quer durch Deutschland reisend – für die protestantische Sache kämpft. Ein zweiter Handlungsstrang ist die vom Protestanten Kern, der seine Leute aus Peine zu einer befreundeten Burg bringt und für seinen Glauben stirbt.

Die Geschichte von Spee ist historisch belegt und führt den Leser als dritten Handlungsstrang durch den Roman. Hier wird der religiöse Eifer des Katholiken, der beginnende Zweifel an der Sache und schließlich die Auseinandersetzung mit seinen Glaubensbrüdern geschildert. Spee verstand sich nicht als Luther, der die Kirche reformieren wollte, sondern er prangerte nur die Gewalt der Kirche an, die in Form der Hexenprozesse ihr häßlichstes Gesicht zeigte. Dafür wurde er von seinen eigenen Brüdern diffamiert und auch offen angefeindet, selbst vor einem Mordanschlag schreckte man nicht zurück. Letztendlich konnten sich seine humanistischen Vorstellungen – die er selbst nicht als solche verstand – durchsetzen und die Hexenprozesse wurden abgeschafft.

Für Fans des historischen Romans, die sich vor allem für das dunkle Mittelalter – welches gar nicht so dunkel war – interessieren ist das Buch empfehlenswert.

Rohlmann: Schwert und Revolver

Fantasie, Witz und Charme gekonnt vereint!

Schwert und Revolver von David Michel Rohlmann begeisterte bereits zahlreiche Leser!

»Die Geschichte verspricht einfach viel Weltraum-Spaß, ohne, dass sich eine konkrete Richtung erahnen lässt.«

»Lustig, schrill und vielseitig«

So wurde “Schwert und Revolver” von David Rohlmann bei Blogg dein Buch angepriesen. Nein, das war leider nichts. Keine Ahnung wen “Schwert und Revolver” begeistert haben kann, aber die Leser dürften nicht älter als sechzehn Jahre sein und wohl nur selten zu einem Buch greifen. Sorry, Herr Rohlmann, aber das ist ein Buch zum Weglegen. Dabei möchte ich dem Autoren nicht Un-Kreativität und keinen Spaß beim Schreiben unterstellen, im Gegenteil, nur was als Kurzgeschichte vielleicht noch funktioniert hätte, versagt hier als Roman auf ganzer Linie. Es fehlt jeglicher roter Faden in der Handlung, wenn man davon absieht das sich der Protagonist von einer “Action” zur nächsten hangelt, aber keine der sich anbietenden und interessant werdenden Handlungsstränge wird leider verfolgt.

Angefangen mit der Vorgeschichte, woher der Held kommt und warum er in dieser Welt gelandet ist, diese wird einfach ausgeblendet durch den billigen und uralten Trick des faulen Autoren: Gedächtnisverlust. Schade, denn gerade das hätte mich am meisten interessiert und hätte der Geschichte die nötige Substanz gegeben. Weiterhin fehlt auch jegliche Erläuterung für den Antrieb des Helden sich durch diese fremde Welt zu kämpfen. Stattdessen schließt er sich den erstbesten Hau-Drauf-Gestalten (der Besatzung eines Raumschiffes) an, welche ebenso ziellos durchs All treiben. Auch sind diese Gestalten (ein Haufen Jugendlicher mit besonderen Kampf-Fähigkeiten) genauso farblos beschrieben wie die Hauptfigur.

Am meisten hat mich jedoch die Sprache gestört (als Jugendslang angepriesen), die war ab 100 Seiten nur noch nervig und bei der Hälfte des Buches hatte tatsächlich überlegt das Buch nicht weiter zu lesen, was ich normalerweise nicht mache. Auch diesmal gab ich dem Buch noch eine Chance und hoffte, wenigstens ein originelles Ende würde mich für den Lesefrust entschädigen. Leider auch hier Fehlanzeige.

Alles in allem ein Buch welches ich nicht weiter empfehlen kann und ich hätte mir für den Epidu-Verlag in diesem Fall ein kritischeres Lektorat gewünscht. Wer trotzdem mal reinlesen möchte: Schwert und Revolver.

Schuster bleib bei deinen Leisten

Ich hatte mich auf das neue Buch von Michael Winterhoff – “Lasst Kinder wieder Kinder sein. Oder: Die Rückkehr zur Intuition” – gefreut, da mich das Thema sehr interessiert. Gelesen hatte ich vom Autoren, einem Kinderpsychologen, bis dato noch nichts. Und werde ich auch nicht mehr. Schuster bleib bei deinen Leisten! Denn wissenschaftlich und analytisch schreiben kann er leider nicht. Um es auf einen Nenner zu bringen: Das Buch war die Mühe und die Zeit nicht wert gelesen zu werden. Meine erste Enttäuschung also bei Blog dein Buch.

In seinem neuen Buch wendet sich der erfahrene Kinder- und Jugendpsychiater und Bestsellerautor Michael Winterhoff den Erwachsenen zu und fragt, warum es für immer mehr Erwachsene nicht mehr möglich ist, eine angemessene, von unbewussten Belastungen freie Beziehung zu anderen Menschen – und damit auch zu (ihren) Kindern – aufzubauen.

Für Winterhoff liegt das Kernproblem darin, dass der Mensch seine innere Ruhe verloren hat. Die allgegenwärtige Penetration mit Negativnachrichten – verbunden mit einer vielfachen persönlichen Überforderung durch gesellschaftliche und technische Entwicklungen sowie einer Destabilisierung der eigenen Lebensverhältnisse – erzeugt eine Art Massentraumatisierung: Der Mensch wird rastlos, handelt nicht mehr ruhig und zielgerichtet, findet keinen Weg mehr aus dem sich ständig beschleunigenden Hamsterrad. Psychisch defizitäre, auf Dauer gehetzte Menschen aber werden die Grundpfeiler unseres Zusammenlebens nicht mehr tragen können. Dabei zerstört Winterhoff zwar das Trugbild einer grenzenlosen Freiheit, in der wir uns heute wähnen, weist aber auch Wege aus dem Dilemma auf.

Aus seiner Analyse heraus entwickelt er Alternativen, die eine Rückkehr zum intuitiven Verhalten ermöglichen – auch und vor allem gegenüber unseren Kindern, damit Kinder endlich wieder Kinder sein dürfen.

Und das stimmt einfach nicht, denn analytisch ist das Buch überhaupt nicht und Alternativen wie man zu einem ausgeglichenen Selbst findet sucht man vergeblich. Und zum Titel – nochmal zur Erinnerung, es geht um den Umgang mit Kindern -, der hat leider überhaupt nichts mit dem Inhalt des Buches zu tun. Ganze geschätzte zehn Seiten des dünnen Büchleins (nicht mal 200 Seiten) beschäftigen sich wirklich mit Kindern. Hinzu kommen nervige Beispiele aus dem angeblichen Alltag des Autoren und ständige Wiederholungen. Nur weil man etwas ständig wiederholt muss es noch lange nicht stimmen. Größtenteils kam es mir so vor, als würde ich eine gestreckte Diplomarbeit lesen, so ist auch übrigens der Schreibstil. Eine wissenschaftliche Arbeit sieht anders aus. Aber nun gut, nicht jeder Psychologe kann schreiben.

Gibt es etwas Positives? Nun ja, vielleicht sollte man Michael Winterhoff zu Gute halten, dass er ein wichtiges Thema anspricht. Das der zwanglose Umgang mit Kindern wirklich in den letzten Jahren (Jahrzehnten) teilweise schizophrene Züge angenommen hat. Stichwort: Helikopter-Eltern. Also Eltern, die in Sorge um das Wohl ihres Kindes dieses ständig beaufsichtigen und sämtliche reale und vermeindliche Gefahren aus dem Weg räumen. Und dabei leider vergessen, dass Kinder nur durch selbst gesammelte Erfahrungen später zu sozialen und reifen Erwachsenen werden können. Hier ist der Ansatz richtig, dass sich Eltern einen Ruhepol suchen müssen, um selbst ausgeglichen und gelassen mit den Problemen unserer Zeit umgehen zu können. Und somit ein Vorbild für das Kind sind.

Wer das Buch trotzdem oder gerade deshalb mal lesen möchte, bitte bei mir melden. Gegen 1,80 Euro Versandkosten vershcicke ich gerne mein Rezensionsexemplar. Weitere und interessantere Bücher gibts beim Gütersloher Verlagshaus (gehört zur Random Gruppe).

Der Mensch ist technisch weit fortgeschritten

… Er kann Raumstationen bauen, sie im Weltall zusammenkoppeln und denkt an die Landung auf dem Mars, aber seine Entwicklung scheint seit der Steinzeit zu stagnieren.“ (Sigmund Jähn 1990 in einem Interview)

Letzten Sonntag war ich im Berliner Kino Union Friedrichshagen bei einer Lesung von Sigmund Jähn. Wer? Werden jetzt einige fragen. So auch auf Arbeit völliges Unwissen auf meine Frage wer der erste Deutsche im All war (Frage ging an einen westdeutschen Kollegen). Seine Antwort: Ulf Merbold. Nun ja, Merbold war zwar der erste Bundesdeutsche, allerdings 1983 – fünf Jahre nach Sigmund Jähn. Das ist vielleicht auch der Grund dafür, warum der ostdeutsche ehemalige Generalmajor Jähn mit 75 Jahren immer noch auf Lesetour ist: im Osten ein Held, im Westen nahezu unbekannt.

Dabei ist Jähn keiner, der sich gern in den Mittelpunkt stellt, wie man bei der Lesung wieder feststellen konnte. Rhethorisch erinnerte mich die PowerPoint-Präsentation eher an einen Vortrag eines Erstsemesters, wenn auch mit lustigeren Anekdoten gespickt. Eigentlich hatte ich mir zu Beginn der Veranstaltung, angesichts der zahlreich erschienenen Alt-Genossen, vorgenommen dem “Held der DDR” skeptisch entgegen zu treten. Allerdings dauerte es keine fünf Minuten, da hatte er meine vollste Sympathie. Die nächsten anderthalb Stunden (auf einem klapprigen Holzstuhl) waren ein Vergnügen, gewürzt mit Fotos (ich entschuldige mich an dieser Stelle für die schlechte Qualität), Fakten über die Raumfahrt und einem Exkurs bis zurück zu Ziolkowski. Ein gelungener Sonntag Mittag. Abgerundet anschließend vom Besuch auf dem Friedhof der Sozialisten und einem Bierchen in einer Eck-Kneipe.

In den dunklen und blutigen Gründen

[...] Es wird wieder einmal richtig spannend in den beiden hier enthaltenen Wildwestgeschichten aus Mays früher Schaffenszeit. “Im fernen Westen” und “Der Fürst der Bleichgesichter” bieten alles, was zu einem richtigen May gehört: mutige Helden des alten Westens und ihre finsteren Gegenspieler, abenteuerliche Verfolgungen und Kämpfe, List und Gegenlist, nicht zu vergessen eine gute Portion Humor – und das alles eingebettet in das großartige Panorama der Prärien und Felsengebirge.

Die Titelgeschichte ist eine weitere Variante der Old-Firehand-Story aus “Winnetou II”, die zweite Erzählung “Der Fürst der Bleichgesichter” aus dem Kolportageroman “Deutsche Herzen, Deutsche Helden” wurde in dieser Form in den Gesammelten Werken bisher so noch nicht veröffentlicht und ist in einer Bearbeitung teilweise in Band 62, “Im Tal des Todes”, zu finden. Kommentare und Nachworte von Christoph F. Lorenz ordnen die Geschichten auf ebenso kenntnisreiche wie unterhaltsame Art und Weise in Mays Gesamtwerk ein. [Beschreibung und Buchbestellung unter Karl May Verlag]

Als ich bei Blog Dein Buch das Angebot sah, ein neues Karl May-Buch kostenlos zu erhalten, war ich als alter Karl-May-Fan sofort begeistert. “Im Fernen Westen” enthält zwei Novellen aus der Frühzeit des Radebeuler Schriftstellers – die Titelgeschichte und “Der Fürst der Bleichgesichter” und führt den Leser in die “dark and bloody grounds”.

Nachdem ich in jungen Jahren die Grünen Bände gern gelesen und auch gesammelt hatte, war ich einige Jahre von May abgekommen und erst vor zwei Jahren wieder auf ihn aufmerksam geworden. Zu oft wiederholten sich die Handlungen in seinen Erzählungen und das lehrhafte, zutiefst religiöse Bekenntnis, verdarben mir oft den Lesespaß. Erst “Ritter und Rebellen” (Band 69, eine historische Erzählung über die brandenburgischen Raubritter) zeigten mir, warum ich früher Karl May so gern gelesen hatte: spannende, fantasievolle Abenteuergeschichten. So sollte man auch “Im Fernen Westen” betrachten. Es zeigt das großartige Talent des jungen Redakteurs (nach seiner Haftstrafe), der sich einen Platz in der sich neu orientierenden deutschen Verlagslandschaft erst noch suchen musste. Entgegen vieler Anderer Autoren seiner Zeit (die größtenteils zu Recht längst vergessen sind) ordnete er sich nie der nationalistischen Strömung oder den wilhelminischen Kriegstreibern unter. Im Gegenteil, mit zunehmendem Alter wurde er mehr und mehr zum Pazifisten und zum Verteidiger unterdrückter Völker, seien es Indianer oder Kurden.

In den beiden Novellen “Im fernen Westen” und “Fürst der Bleichgesichter” merkt man von dieser friedensliebenden, menschenfreundlichen Einstellung allerdings noch nichts. Gerade erstere Geschichte ist für mich die blutigste, die ich bisher von May gelesen habe. Da gibt es einen skalpierenden, noch sehr “wilden” Winnetou, einen zynischen, indianerhassenden Sam Hawkens, und am Ende – nach einem blutigen Gemetzel – sterben sogar drei wichtige Personen (u.a. Old Firehand). Das gabs noch nie. Und gerade das macht auch den Reiz dieser Erzählung aus, bringt Frische wo May später wohl eher schwülstige Dialoge über Religion und Menschenliebe eingebaut hätte.

Auch in “Fürst der Bleichgesichter” erlebt man diese Frische und die Lust, die May beim Schreiben gehabt haben muss. Auch tauchen hier die Personen auf, welche May später zu Weltruhm verhelfen sollten, wenn auch noch in ihrer Rohfassung und unter anderen Namen: Starke Hand (deutlich ist hier bereits der spätere Winnetou zu erkennen), der riesenstarke und scheinbar allwissende Oskar Steinbach (Old Shatterhand) und der witzige Mentor des “Greenhorns” Sam Barth (Sam Hawkens).

Trotz einiger Ungereimtheiten in der Handlung und kurzer scheinbar in großer Hast geschriebener Passagen hatte ich insgesamt betrachtet schon lange nicht mehr so viel Lesespaß. Liebhaber klassischer Abenteuerliteratur kann ich den Band 89 des Karl May-Verlages nur wärmstens empfehlen, und den wenigen die May noch nicht gelesen haben wäre das Buch ein guter Einstieg.

Eine dunkle und GRIMMige Geschichte. Kindgerechter Horror?

Bereits vor einigen Monaten hatte mich die Rezitante auf das Online-Projekt Blogg dein Buch! aufmerksam gemacht und neugierig wie ich bin meldete ich mich dort an. Es geht darum Bücher, welche dort von den Verlagen angeboten werden zu rezensieren. Dafür kann man das Buch, welches man vorher kostenlos zugesandt bekommt, behalten. Leider waren beim ersten Stöbern keine für mich interessanten Bücher vorhanden bzw waren diese an keiner Aktion beteiligt. Doch nun endlich war ich fündig geworden. Das Cover von Adam Gidwitz’s „Eine dunkle & Grimmige Geschichte“, erschienen im Verlag arsEdition München, sah sehr interessant und vor allem so wunderbar märchenhaft aus. Versprochen wurde eine Neuinterpretation einige Grimm’scher Märchen, vor allem von „Hänsel und Gretel“. Auch im Buchinnern setzen sich die düsteren Scherenschnitt-Grafiken fort und untermalen die Handlung. Leider bin ich mir auch nach dem Lesen des Buches noch immer nicht sicher für wen das Buch geschrieben wurde: für Kinder, für kindgeblieben Erwachsene?

Das Buch beginnt mit dem Märchen vom treuen Johannes, welches ich leider noch nicht mal im Original kannte, was aber nicht zwingend sein muss, um der Handlung folgen zu können. Als störend empfand ich die häufigen Einsprenksel des Autoren, der hier als allwissender Erzähler immer wieder die Handlung unterbricht, um durch Hinweise, dass die Geschichte jetzt gleich noch blutiger/gruseliger/ekliger wird und die kleineren Kinder nun ins Bett gehen sollten, versucht Spannung aufzubauen. Leider wird dadurch die emotionale Bindung zu den Hauptfiguren gestört, auch erinnerte mich die Erzählweise stark an „Lemony Snicket“.

Der allwissende Erzähler nimmt sich bei den weiteren Kapiteln/Märchen „Hänsel und Gretel“, „Die sieben Schwalben“ (besser bekannt als „Die sieben Raben“), „Bruder und Schwester“ stetig weiter zurück und die Handlung gewinnt nun an Fahrt und die Geschichte wird immer lesenswerter. Richtig gut wird es dann mit „Ein Lächeln rot wie Blut“ (im Original „Der Räuberhauptmann“) und „Die drei goldenen Haare“. Hier gelingt es dem Autor erstmalig mich als erwachsenden und Horror-gewohnten Leser zu fesseln und in eine sehr gruselige und stimmige Atmosphäre zu ziehen. Auch entwickelt sich nun endlich auch so etwas wie Sympathie für die Protagonisten, zumindest für Gretel.

Die letzten drei Kapitel behandeln die Heimkehr von Hänsel und Gretel nach ihrer Odyssee durch die Märchenwelt und ihrem Kampf gegen den Drachen. Ein guter Abschluss für diese dunkle und grimmige Geschichte. Positiv hervorheben möchte ich auch, neben den sehr schönen Illustrationen (hätten ruhig mehr sein können) die Größe der Schrift und die Verarbeitung von Papier und Umschlag. Auch konnte ich keinen Rechtschreibfehler entdecken – was heutzutage leider nicht immer selbstverständlich ist.

Hier gehts zur Buchbestellung direkt beim Verlag.

Hommage an Hensel

„Eigentlich hätten wir ihm zu Ehren gern ein großes Fest veranstaltet, aber die Finanzierung konnten wir leider nicht allein stemmen“, sagte Monika Ochotzki bei ihrer kleinen Führung durch die Ausstellung. „Auf so einen weltberühmten ehemaligen Einwohner können wir sehr stolz sein, da mussten wir ihm wenigstens eine Ausstellung widmen“, so die Vereinsvorsitzende vom Trebbiner Heimatverein. Anlässlich des 150. Todestages des Malers Wilhelm Hensel ist im Heimatstübchen seit Samstag ein Teil seines Werkes zu sehen. Der Maler der „Berliner Romantik“ lebte von 1794 bis 1861 und wurde in Trebbin geboren. Sein Vater war der Pastor der Gemeinde Trebbin, Ludwig Hensel.

Der Künstler gilt als bedeutender Porträtmaler. Er porträtierte seine Zeitgenossen aus Kunst, Literatur, Politik und aus dem Königshaus mit einer fotografischen Exaktheit, die ihn berühmt machte. Über 1000 Porträtzeichnungen sind von ihm erhalten. Über 60 können nun in Kopie bis November in Trebbin bestaunt werden.

Abgerundet wird die Ausstellung mit Informationen über Hensels Leben, auch mit Bildern seiner Familie und seiner Frau Fanny Mendelssohn Bartholdy, Schwester des berühmten Komponisten. Auch Auszüge aus den Kirchenbüchern von 1794 sind zu sehen, die seine Trebbiner Herkunft belegen. „Das ist wichtig“, sagte Ochotzki, „denn auf seinem Grabstein steht fälschlicherweise ,Linum’ als Geburtsort gemeißelt“, zeigte sie auf dem Foto seines Grabes, das sich in Berlin befindet. Warum das so sei, konnte sie nicht erklären. „Es wäre auf jeden Fall Zeit, das korrigieren zu lassen“, sagte sie.

Große Verwirrung unter den Vereinsmitgliedern gab es auch, als beim Betrachten des Grabstein-Fotos auffiel, dass dort der 6. Juli als Geburtstag angegeben ist, in den Kirchenbüchern aber der 28. November zu lesen war. Dem gehen die Vereinsmitglieder nun genauer nach. (Von Kathrin Burghardt) [MAZ Online]

Die geheime Geschichte der Digedags

Als großer Fan der ostdeutschen Bilderzeitschrift (neudeutsch: Comic) Mosaik bin ich natürlich immer auch sehr begierig etwas über den Hintergrund der Zeitschrift zu erfahren. Durch Zufall stieß ich auf Mark Lehmstedts “Die geheime Geschichte der Digedags” – erschienen im Selbstverlag.

Kurz zur Einleitung: Hauptfiguren des Mosaik waren von 1955 bis 1975  die Digedags – drei Kobolde mit Namen Dig, Dag und Digedag. Erfunden hat sie Hannes Hegen, ein ehemaliger Werbezeichner – und Texter. Und genau darum geht es in Lehmstedts Buch. Hat Hegen die drei Figuren und vor allem den Stil und die Geschichte des Mosaiks derartig bestimmt, wie es immer behauptet wird? Oder war es nicht eher das Kollektiv, welches spätestens ab dem vierten Heft sämtliche textlichen und zeichnerischen Arbeiten erledigte – unter Aufsicht von Hegen – und wurden dafür nicht mal im Impressum erwähnt?

Als Hegen 1975 mit neuen Forderungen gegenüber dem Herausgeber nicht durchkam, folgte nicht nur ein häßlicher (bis zu diesem Buch in der Öffentlichkeit nahezu unbekannter Rechtsstreit), sondern schlug nun auch die Stunde des Mosaik-Kollektiv, welches nun befreit von Hegens Allmacht, aufblühte und die Abrafaxe erschuf, welche bis heute monatlich Abenteuer erleben. Bis heute besteht der Streit unter Mosaik-Fans (von denen übrigens mehr als die Hälfte älter als 30 Jahre sind), welches Trio die spannenderen Abenteuer erlebte und witziger war/ist.

Lehmstedt beschreibt diese “geheime Geschichte” mit einfachen Worten in flüssigem Stil, und dennoch mit vielen Zahlen und Fakten und – was dieses Buch sehr angenehm Lesen lässt – objektiv. An keiner Stelle hat man den Eindruck hier würde ein Mosaik-Fan eine Lobrede schreiben, auch die nachvollziehbare Kritik an Hegen klingt nur sehr unterschwellig durch. Leider hatte es Hegen abgelehnt Lehmstedt ein Interview oder zumindest eine Stellungsnahme zu geben.

Rockmusik-Fan Guttenberg: Tschüß, du Nase!

Da musste ich erstmal kichern, als ich das las: “Rockmusik-Fan Guttenberg wünschte sich Smoke on the Water”. Oh je, da schämt man sich ja ein wirklicher Rockmusik-Fan zu sein. Warum bei den vermeintlich “harten Jungs” immer an erster Stelle dieser unsägliche Song von Deep Purple genannt wird. Weil man dabei so schön Luftgitarre spielen kann, wie es Thomas Gottschalk mal bei Wetten daß…? gemacht hat? Was übrigens total peinlich aus, vor allem wenn es ein älterer Herr macht und vor allem bei diesem Song.

Na ja, aber irgendwie passt es ja auch wieder zum Lügenbaron. Besser wäre natürlich “Alles nur geklaut” von den Prinzen oder wenn es schon Rock sein soll “Gimme Bullet” von AC/DC.

Reue ist der feste Vorsatz, beim nächsten Mal keine Fingerabdrücke zu hinterlassen. (Marcel Achard)

SA 6.46 Uhr  SU 18.19 Uhr

MA 8.57 Uhr  MU 0.46 Uhr

Eulogius