Der Mensch ist technisch weit fortgeschritten

… Er kann Raumstationen bauen, sie im Weltall zusammenkoppeln und denkt an die Landung auf dem Mars, aber seine Entwicklung scheint seit der Steinzeit zu stagnieren.“ (Sigmund Jähn 1990 in einem Interview)

Letzten Sonntag war ich im Berliner Kino Union Friedrichshagen bei einer Lesung von Sigmund Jähn. Wer? Werden jetzt einige fragen. So auch auf Arbeit völliges Unwissen auf meine Frage wer der erste Deutsche im All war (Frage ging an einen westdeutschen Kollegen). Seine Antwort: Ulf Merbold. Nun ja, Merbold war zwar der erste Bundesdeutsche, allerdings 1983 – fünf Jahre nach Sigmund Jähn. Das ist vielleicht auch der Grund dafür, warum der ostdeutsche ehemalige Generalmajor Jähn mit 75 Jahren immer noch auf Lesetour ist: im Osten ein Held, im Westen nahezu unbekannt.

Dabei ist Jähn keiner, der sich gern in den Mittelpunkt stellt, wie man bei der Lesung wieder feststellen konnte. Rhethorisch erinnerte mich die PowerPoint-Präsentation eher an einen Vortrag eines Erstsemesters, wenn auch mit lustigeren Anekdoten gespickt. Eigentlich hatte ich mir zu Beginn der Veranstaltung, angesichts der zahlreich erschienenen Alt-Genossen, vorgenommen dem “Held der DDR” skeptisch entgegen zu treten. Allerdings dauerte es keine fünf Minuten, da hatte er meine vollste Sympathie. Die nächsten anderthalb Stunden (auf einem klapprigen Holzstuhl) waren ein Vergnügen, gewürzt mit Fotos (ich entschuldige mich an dieser Stelle für die schlechte Qualität), Fakten über die Raumfahrt und einem Exkurs bis zurück zu Ziolkowski. Ein gelungener Sonntag Mittag. Abgerundet anschließend vom Besuch auf dem Friedhof der Sozialisten und einem Bierchen in einer Eck-Kneipe.

Bundesverwaltungsgericht erlaubt in Schönefeld Flüge bis 24 Uhr

[...] Der Aiport Berlin-Brandenburg »Willy Brandt« kann am 3. Juni nächsten Jahres ohne weitere Einschränkungen in Betrieb gehen. Mit ihrer Entscheidung gegen die Klagen der Anwohner gaben die Leipziger Richter dafür grünes Licht. Grundlage war ein Urteil des selben Gerichts von 2006, in dem ein Flugbetrieb zwischen 0 und 5 Uhr untersagt und in den Randzeiten nur aus »nachvollziehbaren Gründen« erlaubt wurde. Daran hätten sich die Planer vom Brandenburger Infrastrukturministerium gehalten, entschied das Gericht.

Die Anwohner wollten dagegen auch die Flüge in den Randzeiten kippen. Doch da habe der Lärmschutz weniger Gewicht als das Verkehrsbedürfnis, urteilten die Richter. Es sei plausibel, dass es für Zu- und Abbringerflüge zu den Drehkreuz-Flughäfen, für Touristik- und Interkontinentalflüge geboten sei, in den Randstunden Flugverkehr zuzulassen. Durchschnittlich soll es nachts bis zu 77 Flüge geben, in Spitzenzeiten bis zu 103.

Erleichtert reagierten Politik und Wirtschaft. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) begrüßte die Entscheidung als »wichtig für die weitere wirtschaftliche Entwicklung«. Damit sei die Grundlage geschaffen, dass der Flughafen »zu einem der großen Drei« in Deutschland werden könne. Zugleich betonte er, dass der Airport-Betrieb in Einklang gebracht werden müsse mit den Interessen der Menschen. Der Dialog mit den Gegnern werde fortgesetzt. »Das war der letzte Meilenstein auf dem Weg zum neuen Flughafen«, freute sich Flughafenchef Rainer Schwarz. Der Flughafen öffne mit einer Kapazität von 27 Millionen Passagieren. Für Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) war es »ein guter Tag für Wirtschaft und Beschäftigung«.

Das sehen die Anwohner etwas anders. »Das Urteil ist eine Katastrophe für alle Menschen in Deutschland, die in der Nähe von Verkehrsflughäfen wohnen«, sagte Carl Ahlgrimm, der Bürgermeister der Gemeinde Großbeeren, die zu den Klägern gehörte. Der Bürgerverein Berlin-Brandenburg kündigte eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte an. Die »katastrophal falsche Standortentscheidung« werde nicht hingenommen. Der LINKE-Fraktionschef im Bundestag, Gregor Gysi, will sich dafür einsetzen, dass zumindest noch politisch im Sinne der Anwohner entschieden wird. [Neues Deutschland]

Erst kommt das Geld, dann der Mensch. Was für ein Scheiß System. Und Gut’ Nacht.

Jets sollen sich vor der Landung auf dem BER die Zeit über Trebbin und Thyrow vertreiben

[...] Rund 240 bis 360 Jets werden ab nächstem Jahr täglich den Großflughafen Berlin Brandenburg International (BER) anfliegen. Zu den Stoßzeiten kann es da schon mal zu Staus am Himmel kommen. Die Warteschleifen werden jüngsten Berechnungen der Deutschen Flugsicherung (DFS) zufolge südwestlich von Trebbin und Thyrow verlaufen. Entgegen der eigentlichen Landerichtung sollen die Jets bis Bad Belzig in einem Bogen umgeleitet werden, bevor sie zum Anflug auf Schönefeld ansetzen.

Teile der Gemeinde Nuthe-Urstromtal liegen direkt unter den jetzt beabsichtigten Radarführungsstrecken auf der sogenannten Südbahn, die für Flugzeuge aus Richtung Süden kommend gilt. Die Route ist auf der Homepage der DFS einzusehen.

Welchen Lärm die in Warteposition befindlichen Flugzeuge verursachen werden, ist nicht vorhersehbar, sagt Patrick Strogies, Fluglärmschutzbeauftragter des Verkehrsflughafens Berlin-Schönefeld, auf MAZ-Anfrage: „Bisher ist noch nicht klar, in welcher Höhe sich die Flugzeuge in der Warteschleife befinden werden.“ Laut Grafik der Deutschen Flugsicherung sollen die Jets ab Bad Belzig nur noch in einer Höhe von 1200 Metern fliegen. „Das wäre der schlimmste Fall“, sagt Strogies. Müssten sie sich konstant auf dieser niedrigen Höhe halten, bräuchten die Flugzeuge Schub und das verursache Lärm: „Das ist nicht schön für die Anwohner.“

Der unabhängige Ombudsmann, der sich um Fluglärmbeschwerden kümmert, rechnet damit, dass die Warteschleifen nur zu den Stoßzeiten morgens und abends, insgesamt zwei Stunden täglich, beflogen werden. Wesentlich schwerwiegender sei die Fluglärmbelästigung in Gemeinden, die im Lande- und Startbereich lägen, sagt Strogies.

Trebbins Bürgermeister Thomas Berger (CDU) rechnet mit Überflügen in 2400 Metern Höhe. Großen Fluglärm befürchtet er nicht. „Abzuwarten bleibt allerdings, was die Landephasen von der Lärmentwicklung her für uns bedeuten.“ Berger stört vor allem die Ungerechtigkeit bei der Festlegung der Flugrouten. „Berlin bleibt verschont, und die umliegenden Städte und Gemeinden dürfen es ausbaden.“ Zuletzt hatten die geplanten Flugrouten für den Airport, vor allem in den hauptstadtnahen Regionen, für Proteste gesorgt. Viel Hoffnung, die neuen Pläne noch abwenden zu können, hat Berger nicht: „Das Ding ist gegessen.“

Entspannter bewertet Monika Nestler (Linkspartei), Bürgermeisterin der Gemeinde Nuthe-Urstromtal, die Flugrouten. Die Pläne der Deutschen Flugsicherung, laut denen die Jets ihre Runden über kleineren Ortschaften zwischen Luckenwalde und Trebbin drehen könnten, versetzen sie nicht in Panik: „Sicher ist doch noch gar nichts.“ Außerdem sei ihre Gemeinde durch den Schönhagener Flugplatz lärmerprobt. Natürlich werde sie sich mit der Problematik beschäftigen, wenn die Routen endgültig feststünden. Aber: „Fliegen wollen wir alle. Man kann nicht immer sagen: Den Lärm bitte für die anderen.“

Die Warteschleifen betrachtet auch Landrat Peer Giesecke (SPD) als zweitrangig. „Wir werden uns damit noch intensiv befassen, gegebenenfalls muss noch eine Optimierung erfolgen.“ Wichtiger sind für ihn derzeit jedoch die direkte Betroffenheit von Blankenfelde-Mahlow und die Durchsetzung des Nachtflugverbots.

http://www.dfs.de (Von Aglaja Adam) [MAZ]

Warum soll man da wählen gehen?

Jeden Morgen und Abend komme ich zwischen Treptower Park und Schlesisches Tor an den Plakaten zur Berliner Abgeordnetenhaus-Wahl vorbei und frage mich ernsthaft wen das ansprechen soll. Fast alle Parteien werben mit einem Konterfei ihres Kandidaten – die Plakate sind damit austauschbar wie ihre Programme selbst. Wenigstens schreiben sie noch daneben ob der grinsende BWLer nun für SPD, CDU, FDP oder eine andere Gurkentruppe kandidiert.

Einzig positiv heben sich davon die kleineren Parteien ab. Hier zeigen sich noch Kreativität und der Wille wirklich etwas bewegen zu wollen. Die Piraten haben sogar richtig gute Botschaften und auch andere schreiben zumindest einen Slogan oder Teile ihres Programms auf die Plakate. Leider wird das vergebliche Müh sein, oder glaubt jemand ernsthaft Piratenpartei oder Bergpartei oder Tierschutzpartei hätten eine Chance?

Nach aktuellen Umfragen sieht es so aus als würde der Klausi nicht aus dem Roten Rathaus ausziehen müssen. Die Grünen lägen knapp vor der CDU und die Linke würde immerhin auf 12 Prozent kommen.

Hat da jemand nach der FDP gefragt? Nach wem? Ach so die Kaspertruppe liegt bei 4%.

Alles für die Gesundheit

Irgendwo hatte ich gelesen, dass Cannabis gegen Depression helfen soll und sogar ab Mai 2011 in Deutschland die ersten Cannabis-Präparate von Ärzten verschrieben werden können. Ob das Medikament, welches man in der Apotheke auf Rezept holt, dann so aussieht wie auf dem Foto hier, weiß ich nicht. Ich habe jedenfalls den klassischen Weg genommen (also über den Görli) und eine kleine Tüte für 5 Euro besorgt.

Tja, inzwischen ist das Tütchen leer und die Fähigkeit wie man eine Zigarette selbst dreht wieder aufgefrischt, und ich fühle mich im Moment wirklich ganz gut. Kaum noch Stimmungsschwankungen, keine Aggressionen, aber trotzdem noch meilenweit von totaler Entspannung entfernt.

Vielleicht liegt es aber auch an den hochdosierten Johanniskraut-Dragees, welche ich zwei Mal täglich zu mir nehme.

Plinse für fünf Euro

Das war mein Mittag heute. Da wollte ich mal was anderes probieren, mal mutig sein und besuchte zum Mittag ein vegetarisches/veganes Restaurant in der Schlesischen Straße in Kreuzberg. Nach langem Suchen entschied ich mich für Plinsen mit Champignoncreme und Salat, da ich dachte, das geht fix und ich vertrödel nicht so viel von meiner Mittagspause.

Nun ja. Es dauerte dann tatsächlich fast eine halbe Stunde bis das Essen kam, dafür dauerte das Essen an sich nur 5 Minuten, da es nur eine (!) Plinse mit Champignoncreme-Füllung und viel Pfeffer und daneben etwas Salat gab. Das Ganze kostet dann aber auch 5 (!) Euro.

Königsmord

Westerwelle ist als Parteichef zurückgetreten. Sehr schön! Fehlt allerdings noch sein überfälliger Rücktritt als Außenminister, denn diese Knalltüte hat soviel diplomatisches Geschick wie ein Hahn Verständnis für Langschläfer. Doch was dann? Wie sieht die Alternative und damit die Zukunft der FDP aus? Rösler und Lindner witterten als erste ihre Chance und profilieren sich im Moment als die Königsmörder. Die große Leichenfledderei wird in den nächsten Tagen ihre größten Ausmaße annehmen und es wird offensichtlich worum es diesen Flachwichsern wirklich geht – nur um Macht und Geld. Da können einen ja die Altgrößen wie Gerhardt und Leutheußer-Schnarrenberger schon fast wieder leidtun.

28. März

Die Landtagswahlen in BW und RP haben gezeigt, es geschehen noch Zeichen und Wunder. Nicht das es überraschend kam, dass die Grünen dermaßen gut abschneiden – nein, das war abzusehen im Schatten von Fukushima – aber das so viele zur Wahl gegangen sind um CDU und vor allem FDP abzustrafen, das ist schön.

Wer heute Philosophie lehrt, gibt dem anderen Speise, nicht weil sie ihm schmecken, sondern um seinen Geschmack zu ändern. (Ludwig Wittgenstein)

SA 7.08 Uhr  SU 19.48 Uhr

MA 4.30 Uhr  MU 13.34 Uhr

Tutilo

Glückwünsche aus der Hölle

Hier ein Kommentar der ARD-Korrespondentin Christiane Meier, dem ich absolut nichts mehr hinzufügen kann. Wer weiß wann wir den außenpolitischen Schaden den der “freie Demokrat” Westerwelle angerichtet hat, wieder kitten können. Ich fürchte eher, diese zögerliche Hinhalte-Taktik, welche die Bundesregierung nicht nur innenpolitisch fährt, wird uns irgendwann nochmal auf die Füße fallen.

[...] Was für eine Überraschung, freute sich der stellvertretende Außenminister von Libyen, Chalid Kaim, und dankt China, Russland und Deutschland für ihre Enthaltung. Das war die unmittelbare Reaktion des Gaddafi-Regimes auf die Abstimmung im Sicherheitsrat: Glückwünsche aus der Hölle.

Das einzige europäische Land, das sich enthält, ist unseres. Freiheit und Demokratie zu verteidigen, das ist wohl doch mehr etwas für die erfahrenen Demokraten. Frankreich und Großbritannien haben es auf sich genommen, die Menschen in Libyen zu verteidigen, die den Westen angefleht haben, zu helfen.

Wenn man sich in den Sicherheitsrat drängt, dann muss man eben auch Verantwortung übernehmen, wenn es ungemütlich wird. Wo stehen wir? Auf der Seite eines durchgeknallten Diktators oder der Demokratiebewegung? Besonders für freie Demokraten eine interessante Frage.

Es war ein Fehler die Option der Flugverbotszone vom Tisch zu nehmen. Es ist immer ein Fehler den geringsten Weg des Widerstands zu gehen. Es ist eben eine Sache sich als deutscher Außenminister auf dem Tahrirplatz in Kairo feiern zu lassen, eine andere ist es, selbst Position zu beziehen.

Wie auch, wenn man es nie für nötig hielt, die Opposition in Libyen kennenzulernen, wie es andere Länder – auch die USA – selbstverständlich tun. Vielleicht wird allein die Androhung der Flugverbotszone einiges bewirken. Vielleicht. Ganz sicher wird die Enthaltung im Sicherheitsrat gar nichts bringen – außer vielleicht: Glückwünsche aus Hölle. [Tagesschau.de]

Häh!? Deutsche Bahn streikt, Privatbahn fährt!?

Ich bleibe heute zu Hause. Was bleibt mir auch anderes übrig, da ich in der brandenburgischen Provinz wohne, nach Berlin pendeln muss und mein Zug nur einmal die Stunde fährt – heute aber den ganzen Vormittag über ausfällt! Nein, nein, schon klar, damit will man ein klares Zeichen gegen den Bahn-Vorstand und vor allem gegen die Betreiber der privaten Bahnen setzen. Denn darum geht es doch eigentlich, oder? Wenn ich es richtig verstanden habe, sollen die Gehälter des Lokpersonals der Privatbahnen denen der Deutschen Bahn AG angeglichen werden. So weit so gut, da gehe ich auch ohne Probleme mit.

Nur, warum werden dann wieder die Berufspendler abgestraft, die die Deutsche Bahn nutzen? Und – Achtung! der Knaller schlechthin! – warum fährt dann bitte der Zug von Interconnex zwischen Berlin und Leipzig? Ist das nicht eine Privatbahn die eigentlich bestreikt werden sollte? Für mich ist damit eindeutig klar, das es der GDL nur um Machtspielereien geht und nicht um das Bahnpersonal. Und schon gar nicht um die Leute, welche deren Gehälter bezahlt. Arschlöcher.

Niemand ist berechtigt, sich mir gegenüber so zu benehmen, als kenne er mich. (Robert Walser)

SA 6.48 Uhr  SU 18.17 Uhr

MA 8.22 Uhr  MU —

Vierzig Martyrer von Sebaste