Letzter DDR-Wirtschaftsminister Gerhard Pohl im Schwielochsee ertrunken

[...] Gerhard Pohl, der ehemalige Minister für Wirtschaft der DDR, ist am Mittwochabend im Schwielochsee ertrunken. Seine Leiche wurde am Mittwochabend entdeckt, sie trieb im Wasser. Die Polizei geht bisher von einem Badeunfall aus.

Die Polizei fand ein Handtuch und Badelatschen auf einem Steg. Vor dem Haus, in dem Pohl eine Ferienwohnung gemietet hatte, stand sein Auto. Gerhard Pohl war leidenschaftlicher Segler. Seit 1959 war er Mitglied im Verein Seglergemeinschaft Schwielochsee in Jessern. Am Mittwochmorgen wurde er als vermisst gemeldet, weil er mehrere Tage nicht in seiner Firma und zu verabredeten Terminen erschienen war.

Pohl war nach seiner kurzen Zeit als Minister (April bis August 1990) vor allem als Unternehmer in Forst tätig. [MAZ Online]

Der Mensch ist technisch weit fortgeschritten

… Er kann Raumstationen bauen, sie im Weltall zusammenkoppeln und denkt an die Landung auf dem Mars, aber seine Entwicklung scheint seit der Steinzeit zu stagnieren.“ (Sigmund Jähn 1990 in einem Interview)

Letzten Sonntag war ich im Berliner Kino Union Friedrichshagen bei einer Lesung von Sigmund Jähn. Wer? Werden jetzt einige fragen. So auch auf Arbeit völliges Unwissen auf meine Frage wer der erste Deutsche im All war (Frage ging an einen westdeutschen Kollegen). Seine Antwort: Ulf Merbold. Nun ja, Merbold war zwar der erste Bundesdeutsche, allerdings 1983 – fünf Jahre nach Sigmund Jähn. Das ist vielleicht auch der Grund dafür, warum der ostdeutsche ehemalige Generalmajor Jähn mit 75 Jahren immer noch auf Lesetour ist: im Osten ein Held, im Westen nahezu unbekannt.

Dabei ist Jähn keiner, der sich gern in den Mittelpunkt stellt, wie man bei der Lesung wieder feststellen konnte. Rhethorisch erinnerte mich die PowerPoint-Präsentation eher an einen Vortrag eines Erstsemesters, wenn auch mit lustigeren Anekdoten gespickt. Eigentlich hatte ich mir zu Beginn der Veranstaltung, angesichts der zahlreich erschienenen Alt-Genossen, vorgenommen dem “Held der DDR” skeptisch entgegen zu treten. Allerdings dauerte es keine fünf Minuten, da hatte er meine vollste Sympathie. Die nächsten anderthalb Stunden (auf einem klapprigen Holzstuhl) waren ein Vergnügen, gewürzt mit Fotos (ich entschuldige mich an dieser Stelle für die schlechte Qualität), Fakten über die Raumfahrt und einem Exkurs bis zurück zu Ziolkowski. Ein gelungener Sonntag Mittag. Abgerundet anschließend vom Besuch auf dem Friedhof der Sozialisten und einem Bierchen in einer Eck-Kneipe.

Die geheime Geschichte der Digedags

Als großer Fan der ostdeutschen Bilderzeitschrift (neudeutsch: Comic) Mosaik bin ich natürlich immer auch sehr begierig etwas über den Hintergrund der Zeitschrift zu erfahren. Durch Zufall stieß ich auf Mark Lehmstedts “Die geheime Geschichte der Digedags” – erschienen im Selbstverlag.

Kurz zur Einleitung: Hauptfiguren des Mosaik waren von 1955 bis 1975  die Digedags – drei Kobolde mit Namen Dig, Dag und Digedag. Erfunden hat sie Hannes Hegen, ein ehemaliger Werbezeichner – und Texter. Und genau darum geht es in Lehmstedts Buch. Hat Hegen die drei Figuren und vor allem den Stil und die Geschichte des Mosaiks derartig bestimmt, wie es immer behauptet wird? Oder war es nicht eher das Kollektiv, welches spätestens ab dem vierten Heft sämtliche textlichen und zeichnerischen Arbeiten erledigte – unter Aufsicht von Hegen – und wurden dafür nicht mal im Impressum erwähnt?

Als Hegen 1975 mit neuen Forderungen gegenüber dem Herausgeber nicht durchkam, folgte nicht nur ein häßlicher (bis zu diesem Buch in der Öffentlichkeit nahezu unbekannter Rechtsstreit), sondern schlug nun auch die Stunde des Mosaik-Kollektiv, welches nun befreit von Hegens Allmacht, aufblühte und die Abrafaxe erschuf, welche bis heute monatlich Abenteuer erleben. Bis heute besteht der Streit unter Mosaik-Fans (von denen übrigens mehr als die Hälfte älter als 30 Jahre sind), welches Trio die spannenderen Abenteuer erlebte und witziger war/ist.

Lehmstedt beschreibt diese “geheime Geschichte” mit einfachen Worten in flüssigem Stil, und dennoch mit vielen Zahlen und Fakten und – was dieses Buch sehr angenehm Lesen lässt – objektiv. An keiner Stelle hat man den Eindruck hier würde ein Mosaik-Fan eine Lobrede schreiben, auch die nachvollziehbare Kritik an Hegen klingt nur sehr unterschwellig durch. Leider hatte es Hegen abgelehnt Lehmstedt ein Interview oder zumindest eine Stellungsnahme zu geben.

Wie hieß die erste deutsch Fernsehfahnderin?

Leutnant Vera Arndt. In der DDR Krimiserie “Polizeiruf 110″ spielte die Darstellerin Sigrid Göhler die Rolle der Polizistin von 1971 bis 1983. In diesen zwölf Jahren löste die Ermittlerin Vera Arndt 47 Fälle. Und sie führte den Zuschauerinnen in der DDR vor, wie eine moderne Frau sein muss – Hausfrau und erfolgreich im Beruf.

Stöckchen: Gute-Nacht-Geschichten

Von Charlotta hab ich mal ein Stöckchen übernommen, weil sie mich so lieb gebeten hat und sorry, dass die Reaktion meinerseits erst so spät kommt.

Was ist im Rückblick deine Lieblings-Gutenachtgeschichte als Kind?

Ich hab schon immer viel und gerne gelesen aber an so eine richtige Gute-Nacht-Geschichte, die ich vorgelesen bekomme, kann ich mich ehrlich gesagt nicht so erinnern. Erwähnen möchte ich ab die Geschichte vom Angsthasen, die ist mir immer noch ganz lieb.

Was war es früher tatsächlich?

Ich habe absolut keine Ahnung.

Hast du diese Geschichte auch schon mal einem Kind erzählt oder vorgelesen?

Nein.

Welche Geschichte erzählst du einem Kind zum Einschlafen am Liebsten?

Bis jetzt noch keine.

Hattest du als Kind Einschlafrituale?

Auch daran kann ich mich nicht erinnern. Aber mein Teddy (was in Wirklichkeit ein Plüsch-Hund war), der musste immer mit.

Gab es Schlaflieder bei euch?

Ich denke schon.

Was gab es für Betthupferl?

Nach dem Zähneputzen gabs nichts mehr.

Gibst du die heute auch Kindern?

k.a.

Skelett auf dem Dachboden

[...] Ein kleines Missgeschick führte vor wenigen Tagen zu einer männlichen Leiche, die jahrzehntelang unentdeckt in Haus 14 des Krankenhausgeländes auf dem Görden verborgen war.

Dachdecker aus Zweenfurth arbeiteten am vergangenen Donnerstag unter dem Dach des Krankengebäudes, das zum Asklepios-Fachklinikum gehört. Ein Arbeiter brach beim Abnehmen der Ziegel ein und stieß in dem frei gelegten Hohlraum unter einer Gaube auf ein Skelett.

Daneben lagen verwitterte Kleidungsstücke, wie Klinikum-Sprecherin Edda Gehrmann gestern berichtete. Vermutlich handelt es sich um die sterblichen Überbleibsel eines sowjetischen Soldaten, der aus unbekanntem Grund seit Anfang der 50er-Jahre an der fraglichen Stelle lag.

Neben dem Skelett wurde eine Zeitung aus dem Jahr 1952 gefunden, wie die Polizei gestern auf Nachfrage bestätigte. Außerdem fanden sich nach Auskunft der Klinikleitung ein Tagebuch mit russischen Aufzeichnungen aus den Jahren 1952 und 1953 sowie der Stoffrest einer Uniform der damaligen sowjetischen Armee.

Wer der Tote ist, weiß zurzeit niemand. Die Polizei hofft, dass Gegenstände mit einer Aufschrift in einer baltischen Sprache dazu beitragen können, die Identität des Toten aufzuklären.

Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft Potsdam wurde das Skelett in die Gerichtsmedizin nach Potsdam gebracht. Wie die Polizei gestern auf Nachfrage berichtete, schließen die Experten aus, dass der Mann durch Gewalteinwirkung ums Leben gekommen ist. Ob er eines natürlichen Todes gestorben ist, stand bis gestern noch nicht mit letzter Sicherheit fest.

Der Tote in dem Dachstuhl gibt auch dem Asklepios-Fachklinikum Rätsel auf. Niemand weiß, wer der Mann ist, woher er kommt, warum er an dem Ort war und wie er dort zu Tode gekommen ist. Die Besatzer nutzten die frühere Landesklinik als Lazarett, 1954 gaben die Sowjets Haus 14 und andere Gebäude zurück. Das Haus 14 wurde zuletzt als Heim genutzt, steht aber seit mehreren Jahren leer. Es wird derzeit zu einem Krankenhaus für die Akutpsychiatrie umgebaut. (Von Jürgen Lauterbach) [Märkische Allgemeine]

Wow, was für eine Geschichte wohl dahinter steckt? Die besten Geschichten schreibt immer noch das Leben.

Aus dem Tanzsaal der Nostalgie: Silly – Bataillon D’Amour (1986)

Der Post von Irodeschi brachte mich auf eines der schönsten deutschsprachigen Lieder der 80-er Jahre – Silly mit der großartigen Tamara Danz und ihrem Bataillon d’Amour. Zu DDR-Zeiten konnte ich ja mit DDR-Musik nicht so viel anfangen, lag wahrscheinlich auch an meinem Alter, das die internationale PopMusik interessierter erschien. Aber auch im Nachhinein und dem Abstand von 20 Jahren sind nur wenige ehemalige DDR-Bands geblieben, die ich in den 90ern entdeckte und immer noch gerne höre: z.B. Karat, City, Pankow und Rockhaus. Silly fand ich jedoch schon in den 80ern außergewöhnlich und daran hat sich auch nichts geändert.

Demonstration in Potsdam gegen Rot-Rot in Brandenburg

[...] In Potsdam haben nach Angaben der Organisatoren heute Abend rund 300 Menschen gegen eine rot-rote Landesregierung in Brandenburg demonstriert.

Die Veranstaltung sei Auftakt für weitere Montagsdemonstrationen gewesen, sagte ein Sprecher der Bürgerinitiative „Politik für die Mitte”. „Wir denken, dass wir nur so etwas ausrichten können.”

Einer Mitteilung zufolge setzt sich die Initiative nach den Stasi-Fällen in der Linksfraktion im Brandenburger Landtag für Neuwahlen ein. Die Enthüllungen belasteten nicht nur die Regierung, sondern das gesamte Land und dessen Ansehen, hieß es. Laut Polizei verlief der Demonstrationszug friedlich. [dpa]

Ich halte das für falsch. Natürlich gehören ehemalige Stasi-Mitarbeiter nicht auf wichtige Posten in Politik oder Wirtschaft, aber schon zu lange ist eine Verarbeitung der DDR-Vergangenheit in Brandenburg ausgeblieben. Ich hoffe, Matthias Platzeck behält die Nerven und hält an seinen eigenen Worten fest. Dieser Prozess ist schon lange überfällig und notwendig! Eine Auflösung der Koalition würde den Beteiligten nur wieder die Möglichkeit geben sich zu verkriechen und ihre Vergangenheit zu verheimlichen.

Und das gilt nicht nur für die Linke/PDS, sondern auch für die SPD und für die CDU. Ich erinnere nur an Manfred Stolpe (SPD), dessen Zusammenarbeit mit der Stasi nie gänzlich aufgeklärt wurde. Auch die CDU, die entgegen ihrer Darstellungen zu DDR-Zeiten nicht im Widerstand war sondern als Blockpartei die Politik der SED stets absegnete, nahm in der Nachwendezeit viele Genossen aus der SED (so genannte Wendehälse) in ihre Reihen auf. Bis auf die Bündnisgrünen versäumte es jede große Partei in Brandenburg bisher durch ihre Reihen zu gehen und ehemalige Stasi-Mitarbeiter auszusondern. Das ist der eigentliche Skandal und Platzeck findet zu Recht, dass es “für alle ein schmerzhafter, aber notwendiger Prozess” ist.

Jetzt Neuwahlen zu fordern  bedeutet eigentlich nur wie 1991 alles unter den Teppich zu kehren und so weiter zu machen wie bisher. Das ist der eigentliche “Schlag ins Gesicht der ehemaligen Bürgerrechtler”, liebe Frau Wanka. Und eines darf man auch nicht vergessen: Die Mehrheit der Brandenburger haben SPD und Linke gewählt! Die CDU hat dagegen Stimmen verloren. Sich jetzt hinzustellen und von einem “Verrat an den Wählern” (O-Ton Wanka) zu sprechen ist völlig überzogen bzw schlichtweg Blödsinn.

Oberschule Trebbin wird wieder Goethesschule

Die Oberschule Trebbin am Schulstandort Goethestraße wünscht sich zum 100. Geburtstag einen Namen. Die Schulkonferenz entschied sich nach ausgiebiger Namenssuche für die Bezeichnung „Goetheoberschule Trebbin“. Der Hauptausschuss der Stadt Trebbin stimmte bei seiner öffentlichen Sitzung am Montagabend diesem Namensvorschlag einmütig zu.

„Die Schule hatte in den letzten 20 Jahren eine wechselvolle Geschichte, sie war Realschule, Gymnasium, Gesamtschule und ist jetzt Oberschule“, so der Trebbiner Bürgermeister Thomas Berger (CDU). Für die Trebbiner blieb es stets die Goetheschule in der Goethestraße. So wurde in Trebbin lange Zeit für den Erhalt des damaligen Goethe-Gymnasiums gekämpft. Der neue, alte Name enthalte Bewährtes und lasse zugleich die Schulform Oberschule erkennen, so Berger.

„Der Name Goethes soll den historischen Charakter unterstreichen“, so Schulleiter Bernd Schill. „Eltern und Lehrkräfte haben sich zu 80 Prozent für die Rückkehr zu Goethe entschieden“, sagte Schill. Bei den Schülern waren es 46 Prozent, sie favorisierten mehrere Namen. Paul Schuchardt (UFW) hofft, dass nun tatsächlich Ruhe in die Schullandschaft einkehrt, damit der Name eine Weile passt.

Peter Mann (SPD) freut sich, dass die Schule in Trebbin „wieder den Namen Goethes tragen wird“. [MAZ Online - Uta Franke]