Bevor sie Ranzwi jedoch wegbringen konnten, wachte dieser auf, sah seinen Vater und Alfried, durchschaute die Lage und protestierte.
„Gebt mir noch eine Chance mich zu beweisen, Heerzug“, flehte er Alfried an. „Ich kann kämpfen.“
Alfried sah ihn an und überlegte lange. Dann schritt er auf den nächsten Krieger, nahm ihn dessen Speer weg und reichte ihn Ranzwi. Mühsam richtete sich dieser auf und nahm die Waffe.
„Ich weiß nicht, wo du Ranzwi gelassen hast, denn du scheinst dich seinerbemächtigt zu haben, Kornwulf. Nimm also diesen Speer und schließe dich deiner Gruppe für den Kampf an.“
Als er bemerkte, dass Ranzwi an sich herunter sah, merkte er noch an: „Willst du kämpfen oder dich um dein Äußeres kümmern? Es ist keine Zeit neue Sachen zu holen. Jetzt geh!“
Ranzwi warf einen letzten Blick zu seinem Vater, in dessen Gesicht Kummer zu erkennen war. Alfried hatte ihn demütigen wollen und Ranzwi hatte ihm nun eine gute Gelegenheit dazu gegeben. Nicht umsonst hatte er ihm den spöttischen Namen Kornwulf gegeben und ließ ihn nun in diesem Aufzug kämpfen. Keiner der anderen Fürsten würde nun mehr Ramgar folgen wollen, würde es wieder zu einem Machtkampf zwischen Ramgar und Alfried kommen. Und er würde Ranzwi dafür verstossen müssen, aus seiner Sippe ausschliessen.
Als Ranzwi zu seiner Truppe stieß, spotteten und lachten diese über sein Aussehen und den neuen Namen, dem ihn der Heerführer gegeben hatte. Kornwulf. So wie Kornmuhme. Oder Kornhexe. Geister welche in den Getreidefeldern umgingen. In Menschen- oder in Tiergestalt. Korngeister über die man am Tage lachte, sich jedoch in der Dämmerung und in der Nacht fürchtete. Denn nicht selten zerstörten sie die gesamte Ernte und manchmal griffen sie auch Menschen an und verletzten diese. Hatte Alfried etwa Angst vor ihm? Lachhaft. Oder?
Ärgerlich stieß er den lachenden Tiwrich zur Seite, auch Tennatt, der ein freundliches Wort an ihn richten wollte, ließ er unbeachtet. Dann begann der kurze, schnelle Marsch zurück zum Dorf. Sie mussten nicht lange gehen, dann erschienen die ersten Langbärtigen. Voller Kampfeslust stürzten sich die beiden kleinen Gruppen aufeinander. Es würde ein kurzes, schnelles Gemetzel werden.
Ranzwi, jetzt Kornwulf, sprang mit als einer der ersten den Feinden entgegen, die im ersten Moment etwas irritiert waren, dann aber sofort den Jungen wieder erkannten, den sie selbst dieses Aussehen verpasst hatten. Mit Schimpfworten, lachend und erhobenen Schwertern rannten sie auf ihn zu. Kornwulf parierte den ersten Hieb sehr gut, stürzte dann aber durch die Wucht des zweiten gegenerischen Schwerthiebs auf den Boden und konnte nur seinen Speer als Schutz nutzen. Dann überkam ihn wieder diese Wut, die jegliches Gefühl und jeglichen klaren Gedanken aus ihm hinaus pustete und ihn nur noch automatisch handeln ließ, als hätte er nie etwas anderes gelernt. Er nutzte einen kurzen Moment der Unaufmerksamkeit seines Gegners und wirbelte den Speer in dessen Beine, woraufhin dieser ebenfalls zu Boden fiel. Dann stieß er ohne darüber nachzudenken den Speer in die die Brust des Langbärtigen. Jetzt lachte dieser nicht mehr und Kornwulfs Wut steigerte sich, so dass er sich später erzählen lassen musste, wie er gekämpft hatte und fast alle Gegner selbst erledigte, während seine Gefährten ihn nur ungläubig und teilweise entsetzt bei seinem Gemetzel zu sahen. Ja, sie fürchteten sogar vor ihm, denn wer sagte denn, das Ranzwi in diesem Zustand noch Freund und Feind auseinander halten konnte?
Dann wurden sie von einer weiteren kleineren Gruppe herannahender Langbärtiger abgelenkt und kümmerten sich um diese, während Kornwulf den letzten der ersten Gruppe den Todesstoß verpasste. Dann trat er in den Stall, wo er das Mädchen noch immer vermutete. Und tatsächlich saß sie noch immer dort, hatte Ranzwi jedoch durch die Tür beim Kampf beobachtet und wich nun ängstlich vor ihm zurück.
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