Pater Spee – Anwalt der Hexen

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„Mein liebes Teutschland gebiert Hexen in der Nacht und verbrennt Menschen am Tage.“

Peter Spee tritt gegen die Folter ein und prangert die Freveltaten der Hexenbrenner an. Doch durch seine kompromisslose Haltung bringt er auch seine Glaubensbrüder und die Mächtigen des Jesuitenordens gegen sich auf und kann nur knapp einem Mordanschlag entgehen.

Ein historischer Roman über einen der bedeutendsten Kritiker der Hexenprozesse: „Wer meint, unter der Folter etwas anderes zu hören als den Schrei gepeinigten Fleisches, der kennt weder Menschennatur noch die Gebote des Herrn. Geständnisse unter Feuer, mit Strick oder Wasser erpresst, sind ein großer Lug und ein schrecklicher Trug.“

Claus-Peter Lieckfeld, geboren 1948 und aufgewachsen in der Lüneburger Heide, ist Gründungsmitglied von Horst Sterns Umweltmagazin natur. Als freier Autor war er u.a. für das SZ-Magazin, GEO, Merian, Die Zeit und Die Woche tätig. Außerdem schrieb er Texte für Kabarett-Programme, u.a. für Scheibenwischer und für die Münchner Lach- und Schießgesellschaft. [Klappentext]

Zu allererst muss ich erwähnen, dass ich mich bei der Bestellung bei Blog dein Buch vertan habe, denn ich staunte nicht schlecht als ich ein eBook erhielt. Leider bin ich nämlich überhaupt nicht der Typ für eBooks sondern eher der klassische Typ, der Bücher fühlen und riechen will. Dementsprechend unmotiviert war ich auch das eBook zu lesen. Schließlich konvertierte ich das dann doch, installierte es auf dem K*** und startete das Buch auf dem Weg zur Arbeit.

Ich war überrascht. Der historische Roman (im DotBooks-Verlag erschienen) liest sich sehr flüssig, auch wenn die teilweise recht langen frommen Predigten des Paters stören. Allerdings bin ich auch eher ein religionsfeindlicher Mensch und von daher nicht weiter verwunderlich das ich auf dieses Geschwafel allergisch reagiere. In diesen Roman passt es natürlich. Sehr gut fand ich die Einbettung alter Begriffe (nicht nur lateinische sondern auch deutsche), die vielleicht nicht jedermanns Sache sind, da etwas Wissen der mittelalterlichen deutschen Sprache nicht schelcht wäre. Allerdings nehmend iese Begriffe aber auch nicht überhand, so dass man diese auch überlesen kann. Ein witziges Gimmick sind die Kapitelüberschriften, welche in Form mittelalterlicher Buchtitel abgefasst sind.

Sehr spannend und lesenswert fand ich den Weg und die Abenteuer des Till Rothmann, der aus Peine vor den Progromen durch die Katholiken quer durch Norddeutschland flüchtet, sich den Schweden anschliesst und – wieder quer durch Deutschland reisend – für die protestantische Sache kämpft. Ein zweiter Handlungsstrang ist die vom Protestanten Kern, der seine Leute aus Peine zu einer befreundeten Burg bringt und für seinen Glauben stirbt.

Die Geschichte von Spee ist historisch belegt und führt den Leser als dritten Handlungsstrang durch den Roman. Hier wird der religiöse Eifer des Katholiken, der beginnende Zweifel an der Sache und schließlich die Auseinandersetzung mit seinen Glaubensbrüdern geschildert. Spee verstand sich nicht als Luther, der die Kirche reformieren wollte, sondern er prangerte nur die Gewalt der Kirche an, die in Form der Hexenprozesse ihr häßlichstes Gesicht zeigte. Dafür wurde er von seinen eigenen Brüdern diffamiert und auch offen angefeindet, selbst vor einem Mordanschlag schreckte man nicht zurück. Letztendlich konnten sich seine humanistischen Vorstellungen – die er selbst nicht als solche verstand – durchsetzen und die Hexenprozesse wurden abgeschafft.

Für Fans des historischen Romans, die sich vor allem für das dunkle Mittelalter – welches gar nicht so dunkel war – interessieren ist das Buch empfehlenswert.

In den dunklen und blutigen Gründen

[...] Es wird wieder einmal richtig spannend in den beiden hier enthaltenen Wildwestgeschichten aus Mays früher Schaffenszeit. “Im fernen Westen” und “Der Fürst der Bleichgesichter” bieten alles, was zu einem richtigen May gehört: mutige Helden des alten Westens und ihre finsteren Gegenspieler, abenteuerliche Verfolgungen und Kämpfe, List und Gegenlist, nicht zu vergessen eine gute Portion Humor – und das alles eingebettet in das großartige Panorama der Prärien und Felsengebirge.

Die Titelgeschichte ist eine weitere Variante der Old-Firehand-Story aus “Winnetou II”, die zweite Erzählung “Der Fürst der Bleichgesichter” aus dem Kolportageroman “Deutsche Herzen, Deutsche Helden” wurde in dieser Form in den Gesammelten Werken bisher so noch nicht veröffentlicht und ist in einer Bearbeitung teilweise in Band 62, “Im Tal des Todes”, zu finden. Kommentare und Nachworte von Christoph F. Lorenz ordnen die Geschichten auf ebenso kenntnisreiche wie unterhaltsame Art und Weise in Mays Gesamtwerk ein. [Beschreibung und Buchbestellung unter Karl May Verlag]

Als ich bei Blog Dein Buch das Angebot sah, ein neues Karl May-Buch kostenlos zu erhalten, war ich als alter Karl-May-Fan sofort begeistert. “Im Fernen Westen” enthält zwei Novellen aus der Frühzeit des Radebeuler Schriftstellers – die Titelgeschichte und “Der Fürst der Bleichgesichter” und führt den Leser in die “dark and bloody grounds”.

Nachdem ich in jungen Jahren die Grünen Bände gern gelesen und auch gesammelt hatte, war ich einige Jahre von May abgekommen und erst vor zwei Jahren wieder auf ihn aufmerksam geworden. Zu oft wiederholten sich die Handlungen in seinen Erzählungen und das lehrhafte, zutiefst religiöse Bekenntnis, verdarben mir oft den Lesespaß. Erst “Ritter und Rebellen” (Band 69, eine historische Erzählung über die brandenburgischen Raubritter) zeigten mir, warum ich früher Karl May so gern gelesen hatte: spannende, fantasievolle Abenteuergeschichten. So sollte man auch “Im Fernen Westen” betrachten. Es zeigt das großartige Talent des jungen Redakteurs (nach seiner Haftstrafe), der sich einen Platz in der sich neu orientierenden deutschen Verlagslandschaft erst noch suchen musste. Entgegen vieler Anderer Autoren seiner Zeit (die größtenteils zu Recht längst vergessen sind) ordnete er sich nie der nationalistischen Strömung oder den wilhelminischen Kriegstreibern unter. Im Gegenteil, mit zunehmendem Alter wurde er mehr und mehr zum Pazifisten und zum Verteidiger unterdrückter Völker, seien es Indianer oder Kurden.

In den beiden Novellen “Im fernen Westen” und “Fürst der Bleichgesichter” merkt man von dieser friedensliebenden, menschenfreundlichen Einstellung allerdings noch nichts. Gerade erstere Geschichte ist für mich die blutigste, die ich bisher von May gelesen habe. Da gibt es einen skalpierenden, noch sehr “wilden” Winnetou, einen zynischen, indianerhassenden Sam Hawkens, und am Ende – nach einem blutigen Gemetzel – sterben sogar drei wichtige Personen (u.a. Old Firehand). Das gabs noch nie. Und gerade das macht auch den Reiz dieser Erzählung aus, bringt Frische wo May später wohl eher schwülstige Dialoge über Religion und Menschenliebe eingebaut hätte.

Auch in “Fürst der Bleichgesichter” erlebt man diese Frische und die Lust, die May beim Schreiben gehabt haben muss. Auch tauchen hier die Personen auf, welche May später zu Weltruhm verhelfen sollten, wenn auch noch in ihrer Rohfassung und unter anderen Namen: Starke Hand (deutlich ist hier bereits der spätere Winnetou zu erkennen), der riesenstarke und scheinbar allwissende Oskar Steinbach (Old Shatterhand) und der witzige Mentor des “Greenhorns” Sam Barth (Sam Hawkens).

Trotz einiger Ungereimtheiten in der Handlung und kurzer scheinbar in großer Hast geschriebener Passagen hatte ich insgesamt betrachtet schon lange nicht mehr so viel Lesespaß. Liebhaber klassischer Abenteuerliteratur kann ich den Band 89 des Karl May-Verlages nur wärmstens empfehlen, und den wenigen die May noch nicht gelesen haben wäre das Buch ein guter Einstieg.

Eine dunkle und GRIMMige Geschichte. Kindgerechter Horror?

Bereits vor einigen Monaten hatte mich die Rezitante auf das Online-Projekt Blogg dein Buch! aufmerksam gemacht und neugierig wie ich bin meldete ich mich dort an. Es geht darum Bücher, welche dort von den Verlagen angeboten werden zu rezensieren. Dafür kann man das Buch, welches man vorher kostenlos zugesandt bekommt, behalten. Leider waren beim ersten Stöbern keine für mich interessanten Bücher vorhanden bzw waren diese an keiner Aktion beteiligt. Doch nun endlich war ich fündig geworden. Das Cover von Adam Gidwitz’s „Eine dunkle & Grimmige Geschichte“, erschienen im Verlag arsEdition München, sah sehr interessant und vor allem so wunderbar märchenhaft aus. Versprochen wurde eine Neuinterpretation einige Grimm’scher Märchen, vor allem von „Hänsel und Gretel“. Auch im Buchinnern setzen sich die düsteren Scherenschnitt-Grafiken fort und untermalen die Handlung. Leider bin ich mir auch nach dem Lesen des Buches noch immer nicht sicher für wen das Buch geschrieben wurde: für Kinder, für kindgeblieben Erwachsene?

Das Buch beginnt mit dem Märchen vom treuen Johannes, welches ich leider noch nicht mal im Original kannte, was aber nicht zwingend sein muss, um der Handlung folgen zu können. Als störend empfand ich die häufigen Einsprenksel des Autoren, der hier als allwissender Erzähler immer wieder die Handlung unterbricht, um durch Hinweise, dass die Geschichte jetzt gleich noch blutiger/gruseliger/ekliger wird und die kleineren Kinder nun ins Bett gehen sollten, versucht Spannung aufzubauen. Leider wird dadurch die emotionale Bindung zu den Hauptfiguren gestört, auch erinnerte mich die Erzählweise stark an „Lemony Snicket“.

Der allwissende Erzähler nimmt sich bei den weiteren Kapiteln/Märchen „Hänsel und Gretel“, „Die sieben Schwalben“ (besser bekannt als „Die sieben Raben“), „Bruder und Schwester“ stetig weiter zurück und die Handlung gewinnt nun an Fahrt und die Geschichte wird immer lesenswerter. Richtig gut wird es dann mit „Ein Lächeln rot wie Blut“ (im Original „Der Räuberhauptmann“) und „Die drei goldenen Haare“. Hier gelingt es dem Autor erstmalig mich als erwachsenden und Horror-gewohnten Leser zu fesseln und in eine sehr gruselige und stimmige Atmosphäre zu ziehen. Auch entwickelt sich nun endlich auch so etwas wie Sympathie für die Protagonisten, zumindest für Gretel.

Die letzten drei Kapitel behandeln die Heimkehr von Hänsel und Gretel nach ihrer Odyssee durch die Märchenwelt und ihrem Kampf gegen den Drachen. Ein guter Abschluss für diese dunkle und grimmige Geschichte. Positiv hervorheben möchte ich auch, neben den sehr schönen Illustrationen (hätten ruhig mehr sein können) die Größe der Schrift und die Verarbeitung von Papier und Umschlag. Auch konnte ich keinen Rechtschreibfehler entdecken – was heutzutage leider nicht immer selbstverständlich ist.

Hier gehts zur Buchbestellung direkt beim Verlag.

14. Januar: Bettlektüre und Esoterik

Meine Gute-Nacht-Literatur ist seit August (!) letzten Jahres das mit 1200 Seiten seeeehr umfangreiche Werk “Die Arena” von Stephen King. Aber nicht weil es so viele Seiten hat lese ich seit dem Sommer daran, sondern weil ich es leider nicht jeden Abend schaffe zu lesen und weil – man kann schon fast typisch King sagen – der Mittelteil des Buches für mich viel zu langatmig geschrieben ist. Da hat sich der Lektor wohl nicht getraut das Ganze etwas zusammen zu streichen. Oder hat King keinen Lektor mehr? Außerdem sind mir diesmal die Hauptfiguren überhaupt nicht sympathisch und deshalb geht mir ihr Schicksal ziemlich am Allerwertesten vorbei.

Für unterwegs habe ich normalerweise ein Jugendbuch-Klassiker aus der “Spannend erzählt”-Reihe oder ein Sachbuch. Diesmal ist es “Gesundheit für Körper und Seele” von Louise Hay, einem in den USA sehr erfolgreichem Ratgeber zum positiven Denken. Bin zwar noch nicht ganz durch aber schon jetzt weiß ich das wir keine Freunde werden, obwohl ich die ein oder andere Anregung aus dem Buch sicherlich mitnehmen werde, schließlich will ich ja dieses Jahr optimistischer und lebensbejahender werden.

Erziehung ist organisierte Verteidigung der Erwachsenen gegen die Jugend. (Mark Twain)

SA 8.21 Uhr  SU 16.41 Uhr

MA 11.48 Uhr  MU 3.02 Uhr

Felix von Nola

Verflixt nochmal!

Da dachte ich ich habe meine Schreibkrise überwunden und ich kann wieder etwas meiner literarischen Ergüsse hier unter die Leute bringen, und dann so etwas! Da verdoppeln und verdreifachen sich die täglichen Zugriffe auf meinen Blog seitdem ich nichts mehr von Kornwulf veröffentliche!? Aaargh!

Und nu?

Ranzwi vs. Kornwulf (KW 62)

Bevor sie Ranzwi jedoch wegbringen konnten, wachte dieser auf, sah seinen Vater und Alfried, durchschaute die Lage und protestierte.

Gebt mir noch eine Chance mich zu beweisen, Heerzug“, flehte er Alfried an. „Ich kann kämpfen.“

Alfried sah ihn an und überlegte lange. Dann schritt er auf den nächsten Krieger, nahm ihn dessen Speer weg und reichte ihn Ranzwi. Mühsam richtete sich dieser auf und nahm die Waffe.

Ich weiß nicht, wo du Ranzwi gelassen hast, denn du scheinst dich seinerbemächtigt zu haben, Kornwulf. Nimm also diesen Speer und schließe dich deiner Gruppe für den Kampf an.“

Als er bemerkte, dass Ranzwi an sich herunter sah, merkte er noch an: „Willst du kämpfen oder dich um dein Äußeres kümmern? Es ist keine Zeit neue Sachen zu holen. Jetzt geh!“

Ranzwi warf einen letzten Blick zu seinem Vater, in dessen Gesicht Kummer zu erkennen war. Alfried hatte ihn demütigen wollen und Ranzwi hatte ihm nun eine gute Gelegenheit dazu gegeben. Nicht umsonst hatte er ihm den spöttischen Namen Kornwulf gegeben und ließ ihn nun in diesem Aufzug kämpfen. Keiner der anderen Fürsten würde nun mehr Ramgar folgen wollen, würde es wieder zu einem Machtkampf zwischen Ramgar und Alfried kommen. Und er würde Ranzwi dafür verstossen müssen, aus seiner Sippe ausschliessen.

Als Ranzwi zu seiner Truppe stieß, spotteten und lachten diese über sein Aussehen und den neuen Namen, dem ihn der Heerführer gegeben hatte. Kornwulf. So wie Kornmuhme. Oder Kornhexe. Geister welche in den Getreidefeldern umgingen. In Menschen- oder in Tiergestalt. Korngeister über die man am Tage lachte, sich jedoch in der Dämmerung und in der Nacht fürchtete. Denn nicht selten zerstörten sie die gesamte Ernte und manchmal griffen sie auch Menschen an und verletzten diese. Hatte Alfried etwa Angst vor ihm? Lachhaft. Oder?

Ärgerlich stieß er den lachenden Tiwrich zur Seite, auch Tennatt, der ein freundliches Wort an ihn richten wollte, ließ er unbeachtet. Dann begann der kurze, schnelle Marsch zurück zum Dorf. Sie mussten nicht lange gehen, dann erschienen die ersten Langbärtigen. Voller Kampfeslust stürzten sich die beiden kleinen Gruppen aufeinander. Es würde ein kurzes, schnelles Gemetzel werden.

Ranzwi, jetzt Kornwulf, sprang mit als einer der ersten den Feinden entgegen, die im ersten Moment etwas irritiert waren, dann aber sofort den Jungen wieder erkannten, den sie selbst dieses Aussehen verpasst hatten. Mit Schimpfworten, lachend und erhobenen Schwertern rannten sie auf ihn zu. Kornwulf parierte den ersten Hieb sehr gut, stürzte dann aber durch die Wucht des zweiten gegenerischen Schwerthiebs auf den Boden und konnte nur seinen Speer als Schutz nutzen. Dann überkam ihn wieder diese Wut, die jegliches Gefühl und jeglichen klaren Gedanken aus ihm hinaus pustete und ihn nur noch automatisch handeln ließ, als hätte er nie etwas anderes gelernt. Er nutzte einen kurzen Moment der Unaufmerksamkeit seines Gegners und wirbelte den Speer in dessen Beine, woraufhin dieser ebenfalls zu Boden fiel. Dann stieß er ohne darüber nachzudenken den Speer in die die Brust des Langbärtigen. Jetzt lachte dieser nicht mehr und Kornwulfs Wut steigerte sich, so dass er sich später erzählen lassen musste, wie er gekämpft hatte und fast alle Gegner selbst erledigte, während seine Gefährten ihn nur ungläubig und teilweise entsetzt bei seinem Gemetzel zu sahen. Ja, sie fürchteten sogar vor ihm, denn wer sagte denn, das Ranzwi in diesem Zustand noch Freund und Feind auseinander halten konnte?

Dann wurden sie von einer weiteren kleineren Gruppe herannahender Langbärtiger abgelenkt und kümmerten sich um diese, während Kornwulf den letzten der ersten Gruppe den Todesstoß verpasste. Dann trat er in den Stall, wo er das Mädchen noch immer vermutete. Und tatsächlich saß sie noch immer dort, hatte Ranzwi jedoch durch die Tür beim Kampf beobachtet und wich nun ängstlich vor ihm zurück.

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Wieder in Sicherheit (KW 61)

Es war zum Verzweifeln. Nichts klappte mehr in den letzten Wochen. Seit der Geschichte mit dem Dunklen Wald. Es war wie verhext! Er lachte. Wahrscheinlich hatte ihn diese Hexe Hagazusa auch verhext. Hatte ihn mit einem Fluch belegt. Natürlich. Er erinnerte sich. Was hatte sie nochmal gemurmelt? “Wie ein Wolf wirst du umherirren und denen Unglück bringen, die du liebst!” Das hatte sie gesagt. Und jetzt konnte er sich nicht mal von diesem dünnen Hanfseil befreien.

Er versuchte es erneut, schrie aber vor Schmerzen auf, als sich das Seil in die noch frische Wunde schnitt. Plötzlich raschelte es im Korn und bevor Ranzwi reagieren konnte, standen zwei bewaffnete Männer vor ihm und sahen ihn ebenso überrascht an. Der eine war Thoralf aus dem Nachbardorf, den anderen kannte er nicht. Als er wiederum von den beiden erkannt wurde, lachten beide auf.

“Ranzwi, du bist es! Wir hatten fürchterliches Knurren gehört und dachten ein Wolf würde hier lauern. Warst du das?”

“Ja”, mehr brachte er im Moment nicht heraus, zu erschöpft war er von den letzten Anstrengungen. Obwohl er sich dagegen wehrte brach er nun doch bewusstlos zusammen, so dass ihn Thoralf und sein Gefährte aufnehmen und dorthin trugen, woher sie gekommen waren.

Sie mussten nicht weit gehen, bis sie auf Alfried trafen, der mit den anderen Fürsten und Tiwrich, der sie wohl hierher geführt hatte, zusammen stand und beriet. Auch einige einfache Krieger standen in kleineren Gruppen in der Nähe, Sippe für Sippe wie es bei den Sachsen üblich war. Sie alle glotzten die Neuankömmlinge an und schienen ihren Augen nicht zu trauen. Ramgar, Fürst und Vater von Ranzwi, senkte beschämt den Blick, als er erkannte wen sie da brachten. Im Grunde seines Herzens hatte er es geahnt, jedoch doch noch gehofft, der Junge würde sich im Kampfe auszeichnen. Und nun das! Das war der letzte Beweis für ihn, dass der Junge einfach nicht als Krieger taugte. Dann sollte ihn der Priester haben.

Alfrieds Mund schien ein befriedigtes Lächeln zu umspielen, als er von Ramgar zu den Ankommenden sah. Schnell ließ er sich berichten, wie und wo sie Ranzwi gefunden hatten, dann befahl er ihnen, den Jungen wegzubringen und der Obhut des Priesters, der gleichzeitig Heiler war, zu übergeben. Jetzt hatte man wichtigeres zu tun.

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Berserker (KW 60)

Ranzwi war etwas verwirrt. Nicht weil er nackt war und ein Mädchen anwesend war. So etwas wie Scham war für ihn als Sachse praktisch nicht vorhanden, das war eher Sache der zivilisierten Römer. Nein, das Fell irritierte ihn. Was sollte er mit einem Wolfsfell?

Anziehen!“, sagte der Anführer der Langbärtigen und Ranzwi tat wie ihm geheißen und streifte das Fell über, wobei einer der Anderen ihm half und den Schädel des Tieres auf Ranzwis Kopf legte und dort sowie noch Ranzwis Hände um seine Hüfte mit dünnen Seilen festband. Alle lachten. Alle außer Ranzwi und das Mädchen natürlich. Das Mädchen. Langsam begann er wütend auf sie zu werden. Sie war doch Schuld an dieser Situation! Hätte sie den Mund gehalten, wären sie jetzt beide längst in Sicherheit.

Nachdem die Langbärtigen Ranzwi einige Male Hin und Her gedreht und gestossen haben und ihn auslachten, werfen sie ihn vor die Tür. Sie folgen ihm und der Anführer schickt ihn mit einigen Beleidigungen auf sächsisch in Richtung Wald. Das Leben ist ihm geschenkt, aber zu welchem Preis? Wie ein Idiot läuft er nun herum und bereits jetzt weiß er das er Schmach und Schande damit über seine Sippe bringen wird. Es sei denn er schafft es, sich irgendwie von diesem Fell zu befreien, dann wäre er zwar noch immer nackt, denn in das Dorf kann er nun nicht mehr, dann würden ihn die Anderen mit Sicherheit töten. Nackt vor seinen Heerführer zu treten wäre aber immer noch besser als in seinem jetzigen Aufzug. Der Spott wäre ihm trotzdem sicher. Trotzdem würde er sich die Frage gefallen lassen müssen, warum er nicht gekämpft hat. Seine Ehre wäre somit angekratzt bevor sie überhaupt erst entstanden wäre. Und seiner stolzer Vater würde ihn nicht mehr als Familienmitglied betrachten, das war ebenfalls sicher.

Zwischen dem Dorf und dem Wald, in dem sich irgendwo Alfried mit seinen Mannen befand, lag ein größeres Roggenfeld, welches reif aber noch nicht abgeerntet war. Dort wollte er hinein, dort wäre er vor den Langbärtigen in Sicherheit, falls sie es sich nochmal anders überlegen sollten. Dort könnte er versuchen, sich von diesem Fell zu befreien.

Er ging ein gutes Stück hinein, dann fiel er erschöpft auf den Boden und ruhte sich einige Minuten aus. Er wartete bis er sich wiede etwas kräftiger fühlte, dann spannte er die Muskeln an und versuchte seine Arme von der Hüfte wegzudrücken und somit das Seil zu spannen. Es war ein dünnes Hanfseil, dass dürfte nicht schwerfallen. Es klappte nicht gleich und wieder wurde er wütend. Er verdoppelte seine Anstrengungen bis sich das Seil, welches mehrmals um seine Hüfte gebunden war, tief in sein Fleisch schnitt. Das machte ihn noch wütender und er vestärkte erneut seine Kräfte. Er begann zu Knurren und lachte darüber. Er knurrte wie ein gefangener Wolf!

Er streckte seine Arme so lange aus bis er die Besinnung verlor. Nicht ganz, aber doch so weit dass er keinen klaren Gedanken mehr fassen konnte und schließlich stand er, ein schmaler Junge in einem Wolfsfell, im Korn, knurrte wie ein Wolf und geriet vor Kraftanstrengung so sehr in Rage, dass er sich später an nichts mehr erinnern konnte. Er führte sich auf wie ein Berserker, der mit sich selbst kämpfte!

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