Vor dem Parteitag: Die Piratenpartei am Scheideweg

[...] Auf dem Höhepunkt der Protestbewegung gegen die von der damaligen großen Koalition geplanten Netzsperren und Themen wie die Vorratsdatenspeicherung bot die Piratenpartei im Bundestags-Wahlkampf 2009 vielen vor allem jungen Wählern eine ideologische Heimat. Doch die Anfangs-Euphorie droht nun in innerparteiliche Streitigkeiten umzuschwenken.

Das bislang stets in sicheren Gewässern fahrende Piratenschiff ist zwischen NRW-Wahl und Bundesparteitag ins Schlingern geraten. Auf dem Höhepunkt ihres Erfolges erreichten die Piraten 2009 bei ihrer ersten Bundestagswahl aus dem Stand heraus das hervorragende Ergebnis von zwei Prozent aller Wählerstimmten. Damit lag die junge Partei vor dem Ergebnis, das einst die Grünen bei ihrer ersten Wahl erzielten. Insbesondere bei jungen Männern von 18 bis 24 Jahren konnten sie mit ihrem auf Bürgerrechte zugespitzten Wahlkampf überzeugen und zwölf Prozent dieser Kernzielgruppe zu einer entsprechenden Stimmabgabe überzeugen.

Doch seit der Bundestagswahl steckt die Piratenpartei im Stimmungstief: Zwar wächst die Mitgliederzahl weiterhin leicht, doch von den Eintritts-Quoten aus dem Sommer 2009 ist man meilenweit entfernt. Und auch die erste große Wahl seit der des Bundestages verlief weniger gut, als erhofft: Im bevölkerungsstärksten Bundesland Nordrhein-Westfalen konnten nur noch 1,5 Prozent der Wähler für die eigene Partei überzeugt werden.

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Arbeitslosenversicherung soll drastisch erhöht werden

[...] Wegen des Rekordhaushaltsdefizits wird in der Koalition über höhere Beiträge zur Arbeitslosenversicherung nachgedacht. Ohne einen solchen Schritt werde die Bundesregierung auf Jahre hinaus Milliarden Euro an die Bundesagentur für Arbeit (BA) überweisen müssen, meldet die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf Fraktionskreise.

Bereits in den Koalitionsverhandlungen hätten Union und FDP deshalb über konkrete Zahlen für eine höhere Arbeitslosenversicherung diskutiert. Demnach könnte der BA-Beitragssatz ab 2011 auf 4,5 von derzeit 2,8 Prozent erhöht werden. [MoPo]

Das Schäuble nicht zaubern kann dürfte allen klar sein. Das er sich jedoch strikt weigert VOR der NRW-Wahl zu sagen wie ab 2011 gespart werden soll, grenzt schon an eine bodenlose Unverschämtheit dem mündigen Wähler und Steuerzahler gegenüber. Zum Glück sickert doch ab und zu etwas aus dem Kanzleramt an die Öffentlichkeit. So wie mit der Erhöhung der Arbeitslosenversicherung.

Was ich mich jedoch frage, wieso kann man nicht so ehrlich sein und vor/während/nach der Bundestagswahl sagen, der Staat müsse sparen. Stattdessen verspricht man wie früher zu besten finanziellen Zeiten Steuersenkungen obwohl jeder weiß, das wir uns das eigentlich nicht leisten können. Jetzt kommen also nächstes Jahr die Steuererleichterungen (hauptsächlich für Erben und Hotelbesitzer) und ein Jahr später können wir das alles wieder selbst bezahlen. Welch ein Irrsinn!

CDU / FDP: Das Ämterschachern hat begonnen

Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios haben sich CDU, CSU und FDP bei ihren Koalitionsverhandlungen auf folgenden Ministerposten sicher geeinigt. FDP-Chef Guido Westerwelle wird Außenminister, Wolfgang Schäuble (CDU) wechselt an die Spitze des Bundesfinanzministeriums.

Der bisherige Kanzleramtsminister Thomas de Maizière (CDU) wird neuer Bundesinnenminister, Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) neuer Verteidigungsminister. Sein Nachfolger im Amt des Bundeswirtschaftsminister soll Rainer Brüderle (FDP) werden. Der bisherige CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla wird neuer Kanzleramtsminister. Heißer Kandidat für das Amt des Umweltministers ist Norbert Röttgen (CDU). CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer ist für das Amt des Bundesverkehrsministers vorgesehen. Die FDP-Politikerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger soll künftig dem Bundesjustizministerium vorstehen.

Die Gespräche zwischen Union und FDP über die Besetzung der Ministerien dauern aber noch an. Eine endgültige Entscheidung wird voraussichtlich am Abend in der abschließenden Koalitionsrunde fallen.

Schäuble: Polizeiaufgaben für den Verfassungsschutz

Mitarbeiter des Bundesinnenministeriums wollen sich offenbar nach der Wahl für mehr Kompetenzen für den Verfassungsschutz stark machen. Das Bundesamt solle Aufgaben der Polizei übernehmen, berichtet die “Süddeutsche Zeitung” unter Berufung auf ein internes Ministeriumspapier, das auch tagesschau.de vorliegt.

Dem Papier zufolge soll der Verfassungsschutz künftig Computer online durchsuchen dürfen. Zudem soll die Behörde auf die Daten der Vorratsdatenspeicherung zugreifen können. Das dürfen bislang nur Polizei und Justiz. Auch sollen dem Verfassungsschutz Lausch- und Spähangriffe in Privatwohnungen erlaubt werden. Den Sicherheitsbehörden soll zudem die Infiltration im kriminellen und verfassungsfeindlichen Milieu erleichtert werden. Verdeckte Ermittler sollen, wenn sie Straftaten begehen und diese zum “szenetypischen Verhalten” gehören, nicht bestraft werden Weiterlesen

Schäuble plant zentrale Einwohner-Meldedatei

Die Einwohnermeldedaten sämtlicher Bundesbürger sollen künftig zentral gespeichert werden. Das plant Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble. Ziel sei die “Versorgung der Behörden und sonstiger öffentlicher Stellen des Bundes durch regelmäßige Datenübermittlungen”, heißt es in einem internen Vermerk des Ministeriums.

Hintergrund: Derzeit sind die Meldedaten von rund 4,8 Millionen Einwohnern fehlerhaft. CDU-Innenexperte Clemens Binninger: “Wir versprechen uns davon bessere Daten und Einsparungen von über 100 Millionen Euro.”

Mittlerweile fordert auch die Wirtschaft Zugang zu diesen Daten. Als ob nicht schon genug Schindluder mit sensiblen Daten in der letzten Zeit getrieben wurde.