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1. Einleitung

Die Geschichte der Stadt Potsdam erlebte ein immer widerkehrendes Auf und Ab und wenn sie auch eine zeitlang die Residenzstadt des preußischen Königreiches war, hatte sie nie die Bedeutung, die z.B. Versailles für das französische oder München für das bayerische Königreich hatten. Bedingt durch die wechselvolle Geschichte Preussens und vor allem der Stadt Potsdam war die Zusammensetzung der Bevölkerung schon immer multikulturell und geprägt von religiöser Vielschichtigkeit. Stand zu Beginn eine Assimilierung der slawischen Fischer und Bauern durch die deutschen Eroberer im Vordergrund, schon allein aus wirtschaftlichen Gründen, folgten in den nächsten Jahrhunderten vorwiegend Bauern und Wirtschaftsflüchtlinge der niederen Stände aus Hessen, Franken und anderen „urdeutschen“ Gebieten. Im Zuge des Aufsteigens Preussens zur europäischen Macht kamen auch Polen, Holländer und Schweizer (die für Potsdam eine große landwirtschaftliche Bedeutung hatten) und andere Nationalitäten. Eine besondere Bedeutung für Preussen hatten die französischen Einwanderer, die ausnahmslos als Glaubensverfolgte nach Brandenburg-Preussen kamen.

Bereits 1662 veranstaltete der brandenburgische Kurfürst Friedrich Wilhelm in Berlin mehrere Religionsgespräche. Ziel der Konferenzen war es, der lutherischen Geistlichkeit eine Toleranz gegenüber den Calvinisten abzufordern, die, wie z. B. die Hugenotten aus Frankreich, im Zuge seiner Siedlungs-, Wirtschafts- und Militärpolitik nach Brandenburg gekommen waren. Noch im selben Jahr ließ er Lutheraner des Landes verweisen, wenn sie die Calvinisten nicht als gleichberechtigt akzeptierten. Der Erlass ist missverständlich unter der Bezeichnung „Toleranzedikt“ bekannt geworden. Im Laufe der nächsten Jahre gab es noch mehrere Edikte des Kurfürsten – so etwa das verschärfte Edikt von 1664 – mit denen er unter Androhung von Strafen (Amtsenthebung, Landesverweis) die Lutheraner zur Toleranz zwingen wollte.

Am 29. Oktober 1685 (alte Zeitrechnung, nach neuer war es am 8. November) unterzeichnete Kurfürst Friedrich Wilhelm im Potsdamer Stadtschloss ein folgenreiches Dokument. Es trägt den Titel: „Chur-Brandenburgische Edict, betreffend Diejenige Rechte/Privilegia und andere Wohltaten/ welche Se. Churf. Durchl. zu Brandenburg denen Evangelich – Reformirten Frantzösischer Nation so sich in ihren Landen niederlassen werden daselbst zu verstatten gnädigst entschlossen seyn”.

Es ging in die Geschichte als Edikt von Potsdam ein und richtete sich vorwiegend an die französischen Hugenotten. Im Oktober 1685 hatte der französische König den Hugenotten die Ausübung ihres Glaubens verboten. Eine Auswanderungswelle setzte ein, in deren Folge die Verfolgten hauptsächlich nach England und nach Deutschland gingen.

Von den 38.000 Hugenotten, die nach Deutschland kamen, gingen 18.000 nach Brandenburg-Preussen. Siedlungshochburgen waren u.a. Magdeburg mit 1.375, Mannheim mit 1.949, das preußische Königsberg mit 500 und Berlin mit über 5.000 Réfugiés.3 Ihrem Einfluss ist es mit zu verdanken, dass aus den beiden Provinzstädten Berlin und Potsdam respektable absolutistische Residenzen mit westeuropäischem Flair wurden.

[Fortsetzung]

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