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3. Die Hugenotten in Frankreich

Hugenotten (französisch, aus dem Wort „Eidgenossen“ entstanden) bezeichnet die französischen Calvinisten. Der Protestantismus hielt zwischen 1520 und 1523 in Frankreich Einzug und wurde vor allem vom Hochadel, intellektuellen Kreisen und der Mittelschicht angenommen. Diese neue Glaubensgemeinschaft genoss zunächst den Schutz des Königshauses, besonders unter Königin Margarete von Navarra und ihrem Bruder, König Franz I. von Frankreich. Gegen Ende seiner Regierungszeit wandte sich Franz jedoch gegen die Protestanten, und obwohl sein Nachfolger Heinrich II. seinem Beispiel folgte, stieg ihre Zahl stetig an. Bei ihrer ersten Nationalsynode (1559) in Paris waren 15 Gemeinden vertreten. Zu der nächsten, die zwei Jahre später stattfand, schickten 2.000 Gemeinden ihre Abgesandten.

Die Ausbreitung des Protestantismus löste unter den Katholiken Frankreichs Beunruhigung und Hass aus. Die religiöse Auseinandersetzung wurde noch durch die Rivalität zwischen den Häusern Valois, damals das Königshaus, und Guise verschärft. Katharina von Medici, die Witwe Heinrichs II., die für ihren Sohn König Karl IX. die Regentschaft führte, verbündete sich von Zeit zu Zeit aus politischen Gründen mit den Hugenotten, meistens jedoch bekämpfte sie diese.

Die Hugenotten selbst kämpften für die freie Ausübung ihres Glaubens und die Anerkennung ihrer politischen und bürgerlichen Rechte, der König versuchte, sie zu unterdrücken. Schließlich kam es zum offenen Bürgerkrieg; zwischen 1562 und 1598 tobten zwischen den Katholiken und den Protestanten Frankreichs acht Kriege (1562-1563, 1567-1568, 1568-1570, 1572-1573, 1574-1576, 1576-1577, 1579-1580 und 1585-1598).

Führer der Hugenotten zu Beginn des Konflikts waren Louis I. de Bourbon, Prinz von Condé, und der französische Admiral Gaspard de Coligny; sie wurden von Heinrich von Navarra, dem späteren König Heinrich IV. von Frankreich, abgelöst.

Führer der Katholiken waren Henri I. de Lorraine, 3. Herzog von Guise, Katharina von Medici und König Heinrich III. Beide Seiten bedienten sich von Zeit zu Zeit der Hilfe aus dem Ausland: Die Hugenotten erhielten Unterstützung aus England, dem Deutschen Reich und der Schweiz, die Katholiken aus Spanien. Die Friedensverträge am Ende eines jeden Krieges gewährten den Hugenotten gewöhnlich ein gewisses Maß an religiöser und politischer Duldung. Da diese Verträge vom König und anderen einflussreichen Kräften jedoch vielfach ignoriert oder einfach außer Kraft gesetzt wurden, lebten die Kämpfe immer wieder auf.

Der erste Hugenottenkrieg brach nach dem Blutbad von Vassy (1. März 1562) aus, das der Herzog François I. von Guise, der Vater von Henri von Guise, unter den Hugenotten angerichtet hatte, und endete mit dem Edikt von Amboise, das den Hugenotten eine gewisse Freiheit in der Religionsausübung garantierte. Nach dem dritten Krieg wurden den Hugenotten im Edikt von Saint-Germain (1570) zusätzlich noch einige Sicherheitsplätze, d. h. Orte, wo sie ihren Kultus frei und ungestört ausüben konnten, gewährt; und Katharina von Medici und Karl IX. unterhielten zeitweise gute Beziehungen zu den Hugenotten und ihrem Führer Coligny. In der Nacht zum 24. August 1572 wurden auf Anordnung Katharinas und mit Zustimmung Karls in der berüchtigten Bartholomäusnacht Tausende Hugenotten in Paris, wo sich ihre Anführer aus Anlass der Hochzeit von Heinrich von Navarra versammelt hatten, und auf dem Lande ermordet. Coligny wurde ergriffen und vom Herzog Henri von Guise getötet.

Die beiden nächsten Kriege brachten keine militärische Entscheidung, dafür aber eine Bestätigung der politischen und religiösen Forderungen der Hugenotten.

In Reaktion auf die „Sonderstellung“ der Hugenotten sowie gegen die berechtigten Ansprüche des Hugenotten Heinrich von Navarra auf den französischen Thron schlossen sich die französischen Katholiken unter der Führung des Herzogs Henri von Guise zur „Heiligen Liga“ zusammen und erwirkten von König Heinrich III., dem Nachfolger Karls IX., im Edikt von Nemours (1585) die Rücknahme aller den Hugenotten zugestandenen Rechte. Im achten Hugenottenkrieg, dem „Krieg der drei Heinriche“ (Heinrich III., Heinrich von Navarra und Henri von Guise), standen sich die Hugenotten unter Heinrich von Navarra und die Liga unter Henri de Guise gegenüber. Die Hugenotten konnten den Katholiken 1587 bei Coutras eine schwere Niederlage zufügen. 1588 ließ Heinrich III., dem die Liga und die Familie Guise zu mächtig wurden, Henri von Guise ermorden und verbündete sich mit den Hugenotten, um das von der Liga besetzte Paris zu erobern. 1589 wurde Heinrich III. ermordet, Heinrich von Navarra übernahm als Heinrich IV. die Nachfolge. Zunächst führte er den Kampf gegen die Liga weiter; 1593 aber konvertierte er zum Katholizismus, um in Frankreich als König allgemeine Anerkennung zu finden („Paris ist eine Messe wert“), und 1598 garantierte er den Hugenotten im Edikt von Nantes Gewissensfreiheit, die Bürgerrechte, örtlich begrenzte freie Religionsausübung und etwa 100 Sicherheitsplätze.

Unter Heinrich IV. erstarkten die Hugenotten in Frankreich. Die beiden nächsten französischen Könige, Ludwig XIII. und besonders Ludwig XIV., ließen in Ausübung ihrer absolutistischen Politik die Hugenotten wieder verfolgen, und es kam erneut zu Bürgerkriegen. Den politischen Sonderstatus der Hugenotten – sie waren aufgrund politischer Sonderrechte beinahe ein „Staat im Staate“ – beendete Kardinal Richelieu. Nach langer Belagerung nahm er 1628 ihren Hauptstützpunkt La Rochelle ein und widerrief im Edikt von Nîmes 1629 ihre politischen Sonderrechte, beließ ihnen jedoch ihre religiösen Freiheiten, die dann Ludwig XIV., als er im Restitutionsedikt von Fontainebleau im Jahr 1685 das Edikt von Nantes aufhob, entscheidend einschränkte.

Das faktische Verbot der Religionsausübung sowie die ständige Bedrohung seitens der Staatsmacht zwang Hunderttausende Hugenotten zur Emigration nach England, ins Heilige Römische Reich, in die Niederlande, die Schweiz und die englischen Kolonien in Nordamerika. Besonders Brandenburg-Preussen förderte die Ansiedlung der Hugenotten (Edikt von Potsdam, 1685); hier entstanden zahlreiche Hugenotten-Kolonien mit eigenen Kirchen, und um 1700 stellten die Hugenotten ein Drittel der Berliner Bevölkerung. Sie beeinflussten wesentlich das Wirtschafts- und Kulturleben in Brandenburg-Preussen.

Die Hugenotten, die in Frankreich blieben, ließen sich zum größten Teil in den Cevennen nieder; diese sogenannten Kamisarden wurden im Cevennenkrieg (1702-1705) bekämpft und schließlich unterworfen.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts, im Zuge der Aufklärung, deren Grundideen die religiöse Intoleranz widersprach, erhielten die französischen Protestanten nach und nach viele ihrer Rechte zurück. Ludwig XV. erließ 1752 noch ein Edikt, das alle von protestantischen Geistlichen vollzogenen Eheschließungen und Taufen für null und nichtig erklärte, das aber von Ludwig XVI. widerrufen wurde. Im Toleranzedikt von Versailles im Jahr 1787 erhielten die Hugenotten die Duldung, im Code Napoléon von 1804 die volle Gleichberechtigung.

[Fortsetzung]

Bartholomaeusnacht

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