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edict15. Fazit

Das Potsdamer Edikt vom 29. Oktober 1685 ist untrennbar mit dem Namen der brandenburgischen Residenzstadt verbunden. Es jedoch nur als solidarische Aktion des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm zu interpretieren, der hochmodern ein Zeichen für Glaubensfreiheit setzen wollte, würde nur eine Seite darstellen. Vielmehr zwangen wirtschaftliche Gründe Friedrich Wilhelm zu diesem Schritt, womit er auch einen Streit mit dem französischen König Ludwig XIV. in Kauf nahm.

Brandenburg war während des Dreißigjährigen Krieges Hauptschauplatz der Kämpfe, ganze Landstriche waren verwüstet und lagen nach dem Krieg brach und menschenleer. Die französischen, bayerischen und sächsischen Königreiche profitierten teilweise enorm aus dem Krieg und wurden schnell zu mächtigen Konkurrenten für Brandenburg, es selbst dagegen um wenigstens einhundert Jahre in der Entwicklung wieder zurück geworfen. Um nicht den Anschluss im Kampf um die Etablierung als europäische Macht zu verlieren oder gar gänzlich unterzugehen, war schnelles und entschiedenes Handeln vonnöten. Armut und Gängelei hatten bereits zahlreiche Siedler aus den benachbarten Ländern nach Brandenburg getrieben, doch waren diese hauptsächlich in der Landwirtschaft tätig. Das Kurfürstentum benötigte jedoch, wie auch Friedrich Wilhelm wusste, Handwerker, Arbeiter und Manufakturanten. Dieses Wissen und diese Fähigkeiten brachten die Hugenotten mit und nicht zuletzt ist es ihnen zu verdanken, dass Brandenburg und später Brandenburg-Preussen eine gewichtige Rolle in der europäischen Geschichte spielen sollte.

Nicht überall stießen die neuen Siedler auf das Wohlwollen der deutschen Bevölkerung, so wurden die Franzosen in Celle beispielsweise als „Nahrungsstöhrer“ bezeichnet und beim Brand mehrerer Hugenottenhäuser in Magdeburg wurden Rufe laut, die „Franzosen brennen zu laßen“.1 Doch war dies eher die Ausnahme und im 18. und 19. Jahrhundert verstärkte sich die Assimilierung der Nachkommen der hugenottischen Einwanderer, die aus o.g. Gründen einen längeren Zeitraum beanspruchte als beispielsweise in England oder Irland. Die Migration war jedoch ebenso erfolgreich und die herausragend historische Bedeutung Preussens wäre ohne die Hugenotten undenkbar. Die hugenottischen Einwanderer fanden ein Land vor, welches politisch den Boden für sie bot, ihre Kultur und Religion frei auüben zu können. Im Gegenzug „bedankten“ sie sich mit ihren Handwerken, mit ihrem wissenschaftlichen Know-How, ihrer Fähigkeit des Finanzmanagements und nicht zuletzt auch mit ihren kulturellen Einflüssen, von Literatur bis zu Buletten, Weißbier und Waffeln. Spätenstens im 19. Jahrhundert wurden die französischen Gemeinden mit den Deutsch-Reformierten Gemeinden zusammen geführt und die Predigten statt in französischer Sprache in Deutsch abgehalten. Doch mussten sie dazu nicht gezwungen werden, sondern taten sie das aus Überzeugung, nunmehr Deutsche und nicht mehr Franzosen zu sein.

Auch heute gibt es noch vereinzelt Kirchengemeinden, die sich verpflichtet fühlen, das französisch-reformierte Erbe zu pflegen und weiter zu führen, wie zum Beispiel die Französische Kirche zu Berlin und die Französisch-Reformierte Gemeinde Potsdam.

6. Quellen

Stadt Potsdam (Hrsg.): 1000 Jahre Potsdam. Blätter aus der Stadtgeschichte, Teil 1, Potsdam 1987.

Ranke, Leopold von: Preußische Geschichte I. 1415-1740. Ausgewählt und bearbeitet von Prof. Dr. Hans-Joachim Schoeps, Goldmann Verlag, München 1965.

Hahn, Peter-Michael; Hübener, Kristina; Schoeps, Julius H. (Hrsg.): Potsdamer Historische Studien, Band I. Potsdam: Märkische Kleinstadt – europäische Residenz, Akademie Verlag, Berlin 1995.

Straubel, Rolf: Frankfurt (Oder) und Potsdam am Ende des Alten Reiches. Studien zur städtischen Wirtschafts- und Sozialstruktur, Verlag für Berlin-Brandenburg, Potsdam 1995.

Deutsche Hugenotten-Gesellschaft e.V.: Hugenotten (Zeitschrift), 69. Jahrgang, Ausgabe 4 von 2005 sowie 70. Jahrgang, Ausgabe 2 von 2006.

Savage, Pierre-Paul: Preussen und Frankreich. In: Forschungen zur preussischen Geschichte, Band 35: Preussen und das Ausland, Hrsg. Otto Büsch, Colloquium Verlag, Berlin 1982.

Lachenicht, Susanne: Migration, Migrationspolitik und Integration. In: Hugenotten zwischen Migration und Integration. Neue Forschungen zum Refuge in Berlin und Brandenburg. Hrsg. Manuela Böhm, Jens Häseler, Robert Violet. Metropol Verlag, Berlin 2005.

http://www.preussen-chronik.de (Herausgegeben vom Rundfunk Berlin-Brandenburg), zuletzt aktualisiert im August 2007.

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