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„Die Chance ist vielleicht klein, aber ich nutze sie“, sagt Oliver Huth. Der Brieselanger hat eine Petition beim Bundestag eingereicht. Tempo 30 vor allen Schulen und Kindergärten ist sein Ziel. Eine bundesweite Regelung, die auch in die Straßenverkehrsordnung aufgenommen wird – dafür wirbt der 39-Jährige. Die fände er sinnvoll und im Sinne der Kinder.

Oliver Huth hat selbst zwei Mädchen und einen Jungen im Grundschul- und im Kita-Alter. Ihretwegen hat er sich mit anderen Eltern seit einem halben Jahr für Tempo 30 vor der Zeebr@-Grundschule im heimischen Brieselang eingesetzt. „Am ersten Schultag soll das Schild stehen“, sagt Huth. So wurde es versprochen.

Dem ging ein bürokratisches Hin und Her voraus. Die Gemeinde wollte schon lange eine 30er-Zone, der Landkreis lehnte die Anträge ab. Nach einem Unfall an der Fußgängerampel vor der Schule machten die Eltern mobil, darunter auch Oliver Huth. Nun wird das 30er-Schild bald stehen, zuvor soll die Straße noch umgebaut werden. Huth stört sich an dem Aufwand, der betrieben werden muss. „Es gab bestimmt sechs Vor-Ort-Termine und dann der ganze Hickhack, ob so ein Schild aufgestellt werden darf.“ In Berlin, so der gebürtige Spandauer, gelte überall Tempo 30 vor Kindereinrichtungen. Ihn stört, dass jedes Land seine eigenen Regelungen hat. „Das ginge doch alles viel einfacher, vielleicht über eine Bundesregelung“, so Oliver Huth.

Er wirkt locker, trägt Jeans und T-Shirt und liebt praktische Lösungen. Und der Computerspezialist hört auf sein Bauchgefühl. Das sagte ihm eines Tages, als er vorm PC saß: Reich doch einfach eine Petition ein! Das ist dein Recht und geht auch noch online. Nun steht sein Anliegen auf der Homepage des Bundestages. Huth will am liebsten eine öffentliche Anhörung. Aber dafür braucht er 50 000 Unterschriften, die bis zum 22. September beisammen sein müssen. Sozusagen in Höchstgeschwindigkeit zu Tempo 30. Dafür klappert er, hat Mails verschickt, sich in Foren vorgestellt, bleibt aber realistisch: „Bisher haben 200 unterschrieben“, sagt er. Rückmeldungen gab es sogar aus Baden-Württemberg. Der Brieselanger, Mitglied der Piratenpartei, freut sich über jeden Mitstreiter. Tempo 30 habe nichts mit Parteipolitik zu tun, damit könnten sich viele identifizieren, denkt er.

Würde der Brieselanger in so kurzer Zeit 50 000 Unterstützer finden, könnte er öffentlich im Ausschuss gehört werden. Aber auch,wenn das nicht gelingt, bekommt Huth auf alle Fälle eine Antwort, informierte Anna Rubinuwicz-Gründler von der Pressestelle des Deutschen Bundestages.

Käme es tatsächlich zur Anhörung, was würde er sagen? „Gute Frage“, so Huth. Dann legt er los: „In Deutschland wird nach mehr Kindern gerufen. Aber dann muss man sie auch schützen und das gerade da, wo sie sich extrem stark aufhalten. Vor Kitas und Schulen.“

Am schnellsten gelangt man über http://www.30kmh.de zur Petition von Oliver Huth. Unterstützerunterschriften werden bis zum 22. September gesammelt.

Quelle: MAZ Online (Von Anke Fiebranz)

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