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Wen soll ich wählen? Wer diese Frage klären will, findet Antworten im Web – auf offiziellen und kostenlosen Seiten. Einige Web-Angebote allerdings wollen die Unentschlossenheit vieler Wähler zu Geld machen und verlangen für einen simplen Wahl-Test satte 60 Euro.

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg warnt vor obskuren Wahl-Tests im Zusammenhang mit der Bundestagswahl. Hintergrund für die Warnung sind die Aktivitäten eines Anbieters, der offenbar versucht, Anwender auf seine kostenpflichtigen Webseiten zu locken, die im Netz nach dem Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung suchen, erklärten die Verbraucherschützer am Mittwoch in Stuttgart. Auf das monierte Online-Angebot konnte man beispielsweise stoßen, wenn in Googles Suchmaske den Begriff „wahlomat“ eingegeben wurde.

Als erster Treffer wurde den Verbraucherschützern zufolge ein Werbelink zu der Seite wahlinfo2009.de gelistet. Auf den ersten Blick sieht auf dieser Seite alles ganz normal aus. Als inoffizieller und unabhängiger Test zur Bundestagswahl wird die Online-Wahlberatung dort beworben. Man soll ein paar Fragen beantworten, um herauszufinden, bei welchen Parteien man am Wahlsonntag sein Kreuzchen machen sollte. Damit haben die Übereinstimmungen mit dem Wahl-O-Mat der Bundeszentrale allerdings auch ihr Ende.

Nach der sechsten von 36 avisierten Fragen nämlich landet man auf einer als „Anmeldung des Test zur Wahl 2009“ titulierten Seite, in die persönliche Daten wie die Postanschrift und das Geburtsdatum einzutragen sind. Tut man das nicht, geht es auch nicht weiter mit der Wahlberatung. Denn, so heißt es dort: „Um zu den weiteren Fragen und zur Auswertung zu gelangen, müssen Sie sich registrieren.“ Unten auf der Seite steht kleingedruckt in einem Fließtext, dass der Test 60 Euro kosten soll.

Verbraucherschützerin Brigitte Sievering-Wichers warnt: „Verlangt ein Anbieter bei einem vermeintlich kostenlosen Internetangebot persönliche Daten, ist das ein starkes Indiz für eine Abzocke.“ Das solcherlei Methoden regelmäßig angewendet werden untermauert Sievering-Wichers mit der Angabe, dass sich in den Monaten Januar bis August allein in Baden-Württemberg mehr als 8000 Verbraucher wegen Fällen von Internetabzocke bei der Verbraucherzentrale gemeldet haben.

Aktuell, so die Verbraucherschützer, wolle der Anbieter Belleros Premium Media Ltd. aus Hamburg offenbar politisch interessierte Verbraucher abkassieren. Inzwischen habe man das Unternehmen abgemahnt und aufgefordert, künftig die irreführende und unlautere Werbung sowie den Verstoß gegen die Preisangabenverordnung zu unterlassen.

Wie es scheint zumindest teilweise mit Erfolg. In Googles Suchergebnisse tauchen die Werbelinks zu den von der Verbraucherzentrale kritisierten Seiten bei Anfragen nach dem Wahl-O-Mat nicht mehr auf.

(Quelle: mak/AP – Spiegel Online)

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