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Ja, ja, es ist die heiße Endphase des Wahlkampfes und erst jetzt müssen sich die Mitglieder und Sympathisanten der Piratenpartei warm anziehen. Schon etliche polemische Anfeindungen musste die junge Partei, die bei der Europawahl in Deutschland 0,9 Prozente erreichte, über sich ergehen lassen. Bei vielen ist es Intoleranz, Unverständnis vor der Jugend die sich plötzlich für Politik zu interessieren scheint und doch nicht nur saufen und ficken im Kopf hat. Bei vielen altehrwürdigen Parteien und deren Anhängern scheint es vor allem die Angst vor Neuem zu sein.

Mit alledem kann man leben. Eine große (persönliche) Enttäuschung ist es jedoch zu sehen, wie das ehemalige linksgerichtete Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL immer mehr von konservativen, ja sogar teilweise reaktionären Kräften (sprich: Journalisten) unterwandert wird.

Neuestes Beispiel ist folgender Artikel von Ole Reissmann auf Spiegel Online. Als Redakteur weiß ich nur zu gut, wie schwer es ist, persönliche Anschauungen und Meinungen aus Reportagen und Berichten heraus zu halten. Herrn Reissmann ist das leider nicht geglückt, denn schließlich zählt er nur Blogs auf, in denen über das Interview von Andreas Popp (stellvertretender Parteivorsitzender der Piraten) mit der rechtskonservativen JUNGEN FREIHEIT geschimpft und gewettert wird. Und als Abschluss schießt Reissmann folgenden Satz los: […] Und dann sagt der Pressesprecher einen Satz, der den ganzen Mangel an Einsicht zeigt: „Wer zurückrudert, kann nur verlieren.“ […] Als ich kann einen Mangel an Einsicht nicht darin erkennen, denn sind wir doch mal ehrlich, was Schlimmes haben Seipenbusch und Popp denn mit dem Interview bzw. dem Fragebogen verbrochen? Sie haben keinerlei Meinung abgegeben oder unterstützt, die irgendwie in den Bereich rechtsextremen Gedankenguts kommen würde. Das sie sich der JUNGEN FREIHEIT zur Verfügung gestellt haben, die ja damit nur auf den Zug aufspringen wollten und etwas vom Medienrummel um die Piratenpartei abbekommen wollen, ist naiv. Sicherlich. Aber schlielich sind es politische Anfänger und da macht jeder Fehler. Und wie gesagt, so gravierend war der jetzt nicht.

Gravierender ist es schon zu sehen, wie sich vor allem konservative Parteien und deren Anhänger auf die Piratenpartei mittlerweile eingeschossen haben. Das ist auch – glaube ich – das einzig spannende an diesem Wahlkampf, denn CDU-Merkel und SPD-Steinmeier scheinen ja einen Nichtangriffspakt geschlossen zu haben. Trotzdem frage ich mich, ob das alles nicht doch Anzeichen dafür sind, das die großen Parteien Angst vor der kleinen Piratenpartei oder vielmehr vor der neuentdeckten Politisierung der Jugend haben.

UPDATE: Hier gehts übrigens zur Homepage von Herrn Reissmann, der seit diesem Jahr ein Volontariat bei Spiegel Online macht. Nichts gegen Lehrlinge und Praktikanten. War ja selber mal einer.

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