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Eine lange Zeit der Ungewissheit ist beendet. Herbert Becker hat im fernen Kaukasus das Grab seines Vaters gefunden. „Leider hat meine Mutter das nicht mehr erlebt, sie starb in der Ungewissheit, dass mein Vater in Rumänien vermisst sei“, erzählt Herbert Becker. Er ist Jahrgang 1940 und hat seinen Vater 1944 zum letzten Mal gesehen. „Meine Erinnerungen daran sind nur schwach, aber ich habe Fotos aufbewahrt“, so der Trebbiner.

Die Familie hatte 1947 die Nachricht erhalten, dass Fritz Becker, Jahrgang 1912, in Rumänien vermisst sei. „Meine Mutter hat noch bis 1954 gehofft, als die letzten Kriegsgefangenen in die Heimat zurückkehrten“, so Herbert Becker. In all den Jahren trug er das Schicksal seines Vaters im Herzen, vor allem, seitdem er selbst Frau und Kinder hatte. „Irgendwie hat sich die Geschichte in der Familie wiederholt. Auch mein Vater hatte seinen Vater als Kind zum letzten Mal gesehen, bevor dieser im Ersten Weltkrieg fiel.“ Inzwischen hat auch Herbert Becker Gewissheit, dass sein Vater am 18. Oktober 1944 im Lager Georgijewsk verstorben ist. Im August 1994 traf eine entsprechende Mitteilung vom Suchdienst des DRK ein.

Die damaligen GUS-Staaten hatten zu dieser Zeit die bis dahin geheim gehaltenen Archive geöffnet und so wurde auch das Schicksal von Fritz Becker bekannt. Allerdings konnte die genaue Grablage nicht mitgeteilt werden. „Zumindest war für mich mit einiger Sicherheit die Ungewissheit beendet“, erinnert sich Herbert Becker. Er bedauert nur, dass seine Mutter das nicht mehr erfahren hat, sie war gerademal ein halbes Jahr zuvor verstorben. „Wir hatten immer an Rumänien gedacht. Jetzt war es der Kaukasus. Wenn wir das geahnt hätten. Zu DDR-Zeiten waren wir schon einmal in der Nähe, zu unserer Silberhochzeit“, erzählten Beckers. Sie warteten inzwischen auf weitere Informationen. „Ich habe zahlreiche Telefonate mit dem DRK-Suchdienst und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge geführt.“

Im Sommer 2009 teilte der Volksbund die genaue Lage der Grabstätte von Fritz Becker mit: Georgijewsk, Friedhof des Lagers 147, Quadrat 3, Grab 22. Im Brief hieß es zugleich, dass es sich um eine schwierige Lage im Kaukasus handele, vermutlich um das Gelände eines Gefängnisses. Über den Volksbund gäbe es keine offizielle Reisemöglichkeit dorthin. Herbert und Hannelore Becker waren sich längst einig, dass sie die Grabstätte unbedingt aufsuchen würden.

Vom 5. bis 9. Oktober erlebten sie die aufregendste Zeit in diesem Jahr. Beckers hatten erfahren, dass ein Mann aus Nürnberg bereits Georgijewsk besucht und dort das Grab seines Vaters gefunden hätte, und sie fanden auch das Reisebüro in Köln, das seinerzeit für den Nürnberger die Reise in den Kaukasus organisiert hatte. Jetzt unternahmen die Kölner das Gleiche für das Trebbiner Ehepaar. Und dann war es soweit. Die Reise in den Kaukasus klappte wunderbar. „Nach einigem Hin und Her fanden wir in Begleitung einer 22 Jahre alten Dolmetscherin auch das Gefängnis und von dort wurden wir weitergeleitet“, so Herbert Becker. Schließlich hatten sie Unterlagen und Namenslisten des internationalen Soldatenfriedhofs in der Hand. Sie fanden auch den Namen Fritz Becker. Der Friedhof war eine Wiese, nicht einmal eingezäunt. Die verrosteten Blechtafeln nur schwer lesbar.

Aber dann stand Herbert Becker am Grab seines Vaters. Ein bewegender Augenblick. Hannelore Becker hielt den Moment im Bild fest. „Wir fanden im Kaukasus Hilfe und Verständnis. Dafür sind wir sehr dankbar“, so Beckers.

(Quelle: Uta Franke – MAZ Online)

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