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Gute Filme im Fernsehen zu „normaler“ Zeit sind ja leider inzwischen recht selten geworden. Wenn sie überhaupt noch ausgestrahlt werden kommen sie meistens erst gegen Mitternacht. Gestern brachte der RBB jedoch zur besten Sendezeit den Bernd Böhlich-Film „Du bist nicht allein“ mit Axel Prahl und Katharina Thalbach in den Hauptrollen. Für mich gehören die beiden ja sowieso zur besten deutschen Schauspielerriege (nicht diese B-Promis die in den Privatsendern immer hochgelobt werden), also gab ich dem Film eine Chance – und wurde nicht enttäuscht.

Kurz zur Handlung:

Eine Plattenbausiedlung in Berlin. Herr und Frau Moll sind seit Jahren arbeitslos. Herr Moll ist von Beruf Malermeister und Frau Moll Metzgerin. Als Frau Moll eine neue Stelle als Wachfrau bekommt, ändert sich das Leben des Paares. Sie erhält eine Uniform und muss einen Vorbereitungskurs machen. Herr Moll beschäftigt sich mit dem Bemalen der Balkontrennwand zum Nachbarbalkon. In diese Nachbarwohnung zieht die Deutsch-Russin Jewgenia Lehmann mit ihrem Vater und der Tochter Tonka. Sohn Svenni Moll versucht mit dem Mädchen in Kontakt zu kommen, die verhält sich jedoch abweisend. Da hat es Vater Moll etwas leichter. Er wird von seiner Ehefrau zur Nachbarschaftshilfe animiert und verliebt sich dabei in Jewgenia. Der triste Alltag hält scheinbar doch noch Abenteuer für ihn bereit. Er steigert sich in die Geschichte hinein, ohne dass seine Ehefrau davon etwas mitbekommt und ohne zu bemerken, dass Jewgenia die Nachbarschaftshilfe zwar willkommen ist, doch nicht mehr als das.

Ein weiterer neuer Nachbar der Molls ist Kurt Wellinek. Die Arbeitslosigkeit hat den Physiker in den Alkohol getrieben und schließlich zur Trennung von seiner Ehefrau Sylvia geführt. Sylvia ist eine ehemalige Schauspielerin, die nun wieder versucht in den Beruf zurückzukehren. Erste Jobs erhält sie als Synchronsprecherin. Der Regisseur macht ihr Hoffnungen auf eine Rolle in einer Fernsehserie. Angeblich wird eine dickliche Frau gesucht. Sylvia rüstet sich mit Kissen und mehreren Schichten Kleidung für das Casting und muss dann erfahren, dass die Drehbuchautoren die Rolle abgeändert haben und nun eine Magersüchtige suchen. Die Enttäuschungen in der Arbeitswelt führen sie langsam wieder zurück zu Kurt und lassen sie dessen Probleme besser verstehen, da er noch viel stärker an seiner Tatenlosigkeit leidet. Sie heftet in der Nachbarschaft kleine Zettel an Laternen mit der Ankündigung kostenloser Nachhilfe in Mathe und Physik. Kurt erhält so wieder einen Lebensinhalt.

Währenddessen muss auch Frau Moll erkennen, dass ihre Arbeit nicht die Wichtigkeit hat, die ein Trainer der Firma den Langzeitarbeitslosen versucht hat einzureden. Sie bewacht nachts eine leere Tennishalle, die nur mit Luft gefüllt ist. Auch ihre Ehe scheint nur eine Luftblase zu sein und sie erkennt, was ihr Ehemann für Jewgenia empfindet. Herr Moll muss einsehen, dass sein Aufblühen nicht von Dauer ist. Er entschließt sich, nach Holland zu reisen, da dort Maler gesucht werden. (Wikipedia)

Axel Prahl ist in der Rolle des Losers (wie auch schon in „Halbe Treppe“) großartig. Wie er sich in die Nachbarin verliebt und in diese Affäre hineinsteigert wie ein Teenager und ihm dabei aber anzusehen ist, das er weiß das diese Geschichte nicht gut ausgehen kann, ist brilliant gespielt. Auch Katharina Thalbach glänzt in der Rolle seiner Ehefrau, die hochmotiviert in ihrem neuen Job aufblüht, nur um dann festzustellen, dass es alles so sinnlos ist und in der gleichen Zeit feststellen muss das ihre Ehe kaputt ist. Ihre pure Verzweiflung ist für den Zuschauer extrem spürbar und umso intensiver erlebt er mit, wie sie sich trotz aller widrigen Umstände wieder aufrappelt und ihrem Ehemann, der inzwischen auf dem Weg nach Holland ist, alles Gute wünscht ohne ihm zu grollen.

Sehr positiv überrascht war ich von Herbert Knaup, der einen arbeitslosen Physiker spielt, der sich erst dem Saufen hingiebt und dann aber seinen Stolz beiseite lässt, drei Stunden auf dem Arbeitsamt wartet um dann von seiner Arbeitsvermittlerin wie eine statistische Nummer behandelt zu werden und daraufhin austickt. Aber wie er das darstellt ist die vielleicht bewegendste Szene des Films, wenn er immer wieder wiederholt, er sei Physiker und wolle keine Leistungen sondern Arbeit.

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