Schlagwörter

, , , , , , , , , , , , , , , , ,

[…] Nach der Diskussion über den Umzug der Hubschrauberstaffel der Brandenburger Polizei muss einer der wichtigsten Kritiker der Verlegung jetzt seinen Hut nehmen: Polizeirat Erick Eckenstaler, Chef der Staffel, wird nach Informationen der Berliner Morgenpost zum 1. Mai ins Innenministerium versetzt.

In Polizeikreisen wird vermutet, dass er „abgestraft“ wurde, weil er den Umzug der Helikopter und den Einsatz von Tragschraubern im Land kritisch hinterfragte. Die zwei Polizei-Hubschrauber vom Typ Eurocopter sollen nach einem Beschluss des Innenministeriums zum Jahreswechsel 2010 vom Großflughafen Schönefeld auf den Flugplatz nach Schönhagen (Teltow-Fläming) umziehen. Grund: Das Objekt der Staffel muss einer neuen Landebahn weichen. Das Land Brandenburg kassierte bereits 1,45 Millionen Euro für die 14 300 Quadratmeter; das Innenministerium prüfte drei Standorte. Aufgrund von „polizeifachlich-einsatztaktischen Erwägungen“ fiel die Entscheidung für Schönhagen. Der Flugplatz, gelegen zwischen Beelitz und Trebbin, ist von Naturschutzgebieten umgeben. Seit Jahren kämpft eine Bürgerinitiative gegen den Ausbau. Zudem herrscht Nachtflugverbot. Staffelchef Erick Eckenstaler ist wenige Tage vor der Entscheidung für Schönhagen aufgefordert worden, eine Stellungnahme zum Flugplatz abzugeben. Sein Bericht fiel harsch aus: Aus „flugfachlicher und letztendlich aus polizeilicher sowie einsatztaktischer Sicht“ sei Schönhagen als „eher ungünstig zu bewerten“. Eckenstaler warnte vor Klagen, längeren Flugzeiten, mangelnder Infrastruktur und hohen Folgekosten. Vergeblich. Und zum Argwohn von höheren Beamten.Bereits in der Vergangenheit soll der erfahrene Pilot im Ministerium unangenehm aufgefallen sein: Auch den Einsatz von Tragschraubern bei der Polizei habe er kritisch bewertet, heißt es aus der Staffel. Die Einführung der Ultraleichtflieger ist eine Idee von Innenminister Jörg Schönbohm (CDU). „Deshalb stand Erick früh auf der Abschussliste“, vermutet ein Beamter der Landeseinsatzeinheit. Seine Versetzung sei ein Exempel. „Es soll Kritiker in den eigenen Reihen disziplinieren und mundtot machen“, so der Beamte weiter.Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft (DpolG) sieht die plötzliche Versetzung des Piloten kritisch. „Eckenstaler gehört nicht zu den Kollegen, die jede Idee aus dem Ministerium reflexartig mit Hurra-Rufen quittieren“, sagt DpolG-Landeschef Frank Domanski. Das Signal, den langjährigen Piloten in ein Büro der Verwaltung zu versetzen, sei verheerend. „Wer hinterfragt oder eine andere fachliche Meinung hat, muss offenbar damit rechnen, dass er künftig Akten von links nach rechts schleppt“, so Domanski.Was Staffel-Chef Erick Eckenstaler ab Mai genau machen wird, bleibt unklar. Er selbst war nicht zu erreichen, weil er wegen des Nato-Gipfels in Kehl (Baden-Württemberg) eingebunden war. Das Innenministerium wollte sich zu der Versetzung nicht äußern. [MoPo]

Advertisements