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[…] Das international bekannte dänische Künstlerduo Jan Egesborg und Pia Bertelsen löst mit einer politischen Provokation heftige Proteste aus der Politik und der jüdischen Gemeinde aus. Ihr aktuelles Projekt ist ein Plakat mit dem Titel „Endlösung“, das Israel symbolisch von der Landkarte tilgt. Die Plakate hängen derzeit an vielen Fassaden in Mitte, Prenzlauer Berg und Kreuzberg. Sie zeigen eine Karte des Nahen Ostens ohne den Staat Israel, versehen mit der Überschrift „Endlösung“ und der Bezeichnung „Ramallah“ für das neue Staatsgebiet auf israelischem Boden. Sowohl der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) als auch Vertreter Israels und der jüdischen Gemeinde Berlins kritisieren der Künstler-Gruppe „Surrend“.

„Am Existenzrecht Israels kann es überhaupt keine Zweifel geben. Diese Art von Satire trifft nicht meinen Geschmack“, sagte Wowereit dem Tagesspiegel. Die israelische Regierung betrachte die Kunstaktion als Volksverhetzung, hieß es aus diplomatischen Kreisen. „Es ist eine schreckliche Art, sich der Naziterminologie zu bedienen“, sagte ein Diplomat der größten israelischen Tageszeitung „Yediot Ahronot“. Er beklagte den fehlenden Kampf gegen den „modernen Antisemitismus“ in Deutschland. Die Künstler „reden wie Ahmadinejad“, sagt Shimon Samuels, Direktor des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Paris, und fordert eine Anklage „wegen Anstachelung zum Völkermord“.

Die Künstler verteidigen ihre Aktion. „Die Idee, die von diesen Plakaten ausgeht, gerade im deutschen Kontext, soll eine Diskussion über die aggressive und negative Haltung Israels im Nahen Osten anregen“, sagte Jan Egesborg. „Wir haben nie das Existenzrecht Israels geleugnet“, aber es „war ein historischer Fehler, Israel zu gründen.“ Egesborg bezeichnet sein Plakat als „harte Satire“. „Als Jude fand ich es immer schon problematisch, dass Israel auf gestohlenem Land erbaut wurde“, argumentiert Egesborg in einem Interview: „Wie der israelische Staat heute die Palästinenser behandelt, ist schrecklich. Es gibt keine andere Antwort, als dass die Juden aus Israel eine neue Heimat finden, etwa in den USA, Deutschland oder Dänemark.“

Auch Lala Süsskind, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde zu Berlin, geht hart mit Egesborg ins Gericht: „Die Künstlergruppe Surrend ist traditionell provokativ. Bei dieser Aktion betont der Gründer Jan Egesborg allerdings zum ersten Mal, dass er sich ,als Jude‘ zur Situation Israels und der Palästinenser meint äußern zu müssen.“ Egesborg spreche Israel nicht nur auf dem Plakat, sondern auch in Interviews zu der Aktion das Existenzrecht ab. Dies könne nicht mehr nur als künstlerische Provokation, sondern müsse als politische Meinungsäußerung gewertet werden, sagte Süsskind: „Hier wird von einem, nach eigener Aussage, jüdischen Künstler die Grenze zum Antisemitismus überschritten, was wir als Jüdische Gemeinde nicht akzeptieren können.“ [Tagesspiegel]

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