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Da ich einen kleinen  Sohn habe bleibt es natürlich nicht aus, das wir gemeinsam abends den Kinderkanal Ki.Ka (Gemeinschaftsprogramm von ARD und ZDF) gucken. Bisher auch (fast) immer sehr gern. Seit einigen Tagen läuft zur besten Sendezeit jedoch „Chi Rho – Das Geheimnis“, eine teure Gemeinschaftsprogramm des Ki.Ka und der evangelischen und katholischen Kirchen, in dem mit Geschichten aus der Bibel schamlos um religiösen Nachwuchs gerungen wird.

Was soll das?

Die Berliner Zeitung hatte bereits einen sehr guten Artikel zu dieser Problematik geschrieben, wenn ich mir auch noch mehr Bissigkeit gewünscht hätte.

[…] Vom Kinderkanal zum Kirchenkanal – dieser Weg scheint gar nicht so weit zu sein. Denn es ist zwar nicht so, dass plötzlich das ganze Programm des Ki.ka sich um christliche Themen drehen würde. Erstaunlich ist aber schon, wie groß das Engagement des Senders für die neue Zeichentrick-Serie „Chi Rho – das Geheimnis“ ausfällt. Biblische Geschichten, im Zeichentrick für Kinder attraktiv aufbereitet – diese Idee stammt nicht etwa von Kirchenleuten, die sich um den Bestand der zukünftigen Schafherde Sorgen machen, sondern von den Machern des Ki.ka.

Immer schon hat es sonntags beim Ki.ka einen Sendeplatz für religiöse Themen gegeben. Doch es sei nicht so einfach gewesen, diesen Platz mit guten Inhalten zu füllen, sagt Sebastian Debertin, Leiter der Redaktion Fiktion beim Kinderkanal. Also entschloss sich der Kindersender etwas eigenes auf die Beine zu stellen, eine Zeichentrickserie, die dem 3- bis 13-jährigen Senderpublikum christliche Werte vermitteln und die biblischen Geschichten nahebringen will. Bei den Kirchen war man angesichts dieser Idee verständlicherweise hocherfreut.

So entstand ein Projekt, bei dem die Macher in die Vollen gegangen sind. Evangelische und katholische Kirche engagierten sich gemeinsam – was bei ähnlichen Projekten bisher nicht vorkam – und übernahmen 20 Prozent der Produktionskosten in Höhe von satten 7,5 Millionen Euro. Eine ganze Mannschaft an Bibelexperten, theologischen Beratern und Archäologie-Sachverständigen wurde zusammengestellt; das Schreiben der Drehbücher in die Hände vielfach ausgezeichneter amerikanischer Autoren gelegt und mit dem Design-Studio Faktor 17 in Erfurt die wohl renommiertesten Trickfilm-Maler Deutschlands mit der Produktion der Bilder beauftragt.

Herausgekommen ist nicht nur eine Zeichentrick-Serie, sondern ein Rundum-Paket, eine Marke mit Namen „Chi Rho“. Parallel zum Sendestart wird eine „Abenteuerbibel“ aufgelegt, jede Folge ist ebenfalls in Buchform erhältlich. Außerdem gibt es das Ganze auch als Theater für die Jugendarbeit in den Gemeinden. Die Puppenfiguren können dann im Kindergottesdienst auftreten oder im Religionsunterricht. Dass die Kinder auch im Internet nicht auf „Chi Rho“ verzichten müssen, ist selbstverständlich. Und ein „Chi Rho“-Computerspiel gibt es natürlich auch.

Die Zeichentrick-Serie gibt sich lustig. Dass das Ganze allerdings den Eindruck einer theologischen Kopfgeburt macht, können auch die flottesten Sprüche beim Treiben im Wüstensand nicht vergessen machen. Damit die biblische Zeit nicht allzu fern von den heutigen Zuschauern liegt, kommt die gute alte Zeitmaschine zum Einsatz. Genannt „cubus temporis“ – wie überhaupt bei „Chi Rho“ im Vorteil ist, wer über ein Grundwissen an Kirchenlatein und -griechisch verfügt. Dieser „Zeitwürfel“ soll die zwölfjährige Cora Petersen auf die Spur ihres Vaters bringen, eines berühmten Bibel-Experten, der plötzlich verschwunden ist, in der biblischen Vergangenheit versumpft und von einem bösen Menschen namens Hreel festgehalten. Als Hinweis darauf, wo er sich befindet, hinterlässt der Vater die Kürzel von Bibelstellen. Und diese Kürzel muss Cora nur in den neckisch „C. T.“ genannten Zeitkubus eingeben und schon ist sie mittendrin in der jeweiligen Bibel-Geschichte.

So kommt Cora in zunächst 13Folgen, Fortsetzung folgt, durch das Buch der Bücher. Schaut bei Mose vorbei, lässt sich wie Jona vom Wal verschlucken und erlebt die wunderbare Brotvermehrung. Allzu Grausames habe man ausgelassen, sagt Stefan Debertin vom Ki.ka. Die Geschichte mit Isaak etwa, der von Abraham, seinem Vater geopfert werden soll. Bibel light also. Um Action haben sich die Filmemacher dennoch gesorgt. Schließlich wollen die Kinder unterhalten sein – und von den Filmfiguren nicht nur betulich beschwatzt werden, wie es in den zäh geratenen Dialogen leider oft der Fall ist. Entschädigen soll dann die aufregende Flucht vor Krokodilen oder vor den wilden Fluten des Nil. Aber so etwas hat Walt Disney im Dschungelbuch deutlich besser gemacht. Und Werte wie Freundschaft oder Freiheit kommen im Dschungelbuch eigentlich auch nicht zu kurz. [Berliner Zeitung]

Hinzufügen möchte ich noch, dass mich dieses goldenen fliegende Dingsbums Cubus Temporis (Würfel der Zeit – boah, wie originell!) auf Anhieb an Bubu erinnert hat. Kennt noch jemanden Bubu aus „Kampf der Titanen“, natürlich der Originalverfilmung von 1981? Siehe Bilder unten.

Bevor ich Heute diesen Artikel verfasste, habe ich bereits meinen Unmut in Form einer Mail an den Ki.Ka freien Lauf  gelassen. Mal sehen was Sie antworten.

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