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Als großer Fan der ostdeutschen Bilderzeitschrift (neudeutsch: Comic) Mosaik bin ich natürlich immer auch sehr begierig etwas über den Hintergrund der Zeitschrift zu erfahren. Durch Zufall stieß ich auf Mark Lehmstedts „Die geheime Geschichte der Digedags“ – erschienen im Selbstverlag.

Kurz zur Einleitung: Hauptfiguren des Mosaik waren von 1955 bis 1975  die Digedags – drei Kobolde mit Namen Dig, Dag und Digedag. Erfunden hat sie Hannes Hegen, ein ehemaliger Werbezeichner – und Texter. Und genau darum geht es in Lehmstedts Buch. Hat Hegen die drei Figuren und vor allem den Stil und die Geschichte des Mosaiks derartig bestimmt, wie es immer behauptet wird? Oder war es nicht eher das Kollektiv, welches spätestens ab dem vierten Heft sämtliche textlichen und zeichnerischen Arbeiten erledigte – unter Aufsicht von Hegen – und wurden dafür nicht mal im Impressum erwähnt?

Als Hegen 1975 mit neuen Forderungen gegenüber dem Herausgeber nicht durchkam, folgte nicht nur ein häßlicher (bis zu diesem Buch in der Öffentlichkeit nahezu unbekannter Rechtsstreit), sondern schlug nun auch die Stunde des Mosaik-Kollektiv, welches nun befreit von Hegens Allmacht, aufblühte und die Abrafaxe erschuf, welche bis heute monatlich Abenteuer erleben. Bis heute besteht der Streit unter Mosaik-Fans (von denen übrigens mehr als die Hälfte älter als 30 Jahre sind), welches Trio die spannenderen Abenteuer erlebte und witziger war/ist.

Lehmstedt beschreibt diese „geheime Geschichte“ mit einfachen Worten in flüssigem Stil, und dennoch mit vielen Zahlen und Fakten und – was dieses Buch sehr angenehm Lesen lässt – objektiv. An keiner Stelle hat man den Eindruck hier würde ein Mosaik-Fan eine Lobrede schreiben, auch die nachvollziehbare Kritik an Hegen klingt nur sehr unterschwellig durch. Leider hatte es Hegen abgelehnt Lehmstedt ein Interview oder zumindest eine Stellungsnahme zu geben.

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